Im Juni 2022 hat das Kanzleramt von Gerhard Schröder 178 Aktenordner aus seiner Amtszeit zurückgefordert, mit einer 10-seitigen Liste. Heute liegen die Ordner in der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung, und das Kanzleramt erklärt sie größtenteils zu Kopien.
In den Ordnern stecken unter anderem 86 Terminakten des früheren Kanzlers, Unterlagen zur Regierungserklärung zur Agenda 2010 und Material aus den Jahren, in denen die Gasgeschäfte mit Russland eingefädelt wurden.
Nach dem Bundesarchivgesetz müssen Bundesbehörden ihre Unterlagen dem Bundesarchiv anbieten, nicht einer parteinahen Stiftung. Als die SPD-Fraktion im Juni 2025 Schröders Büroräume im Bundestag auflöste, wanderten die Akten trotzdem in die Stiftung, öffentlich wurde das erst durch eine Recherche von Correctiv im November.
Seit Oktober 2025 sagt das Kanzleramt, es handle sich größtenteils um Kopien von Akten, die ohnehin im Kanzleramt lägen, so trug es der damalige Kanzleramtsminister Thorsten Frei (CDU) im Februar auch dem Haushaltsausschuss vor.
Dagegen spricht einiges.
Kanzleramtsmitarbeiter hatten schon 2019 festgehalten, dort sei auch „originales amtliches Schriftgut“ vorhanden, zur Agenda 2010 liegen im Kanzleramt laut t-online 8 Seiten und in der Stiftung 3 Bände, und der Historiker Gregor Schöllgen fand Schröders Terminakten 2015 nur bei Schröder selbst.
Wer nur Kopien vermutet, schreibt außerdem keine 10-seitige Rückforderungsliste.
Warum ein Kanzleramt so hartnäckig wegsieht, erklärt der Archivrechtler Thomas Henne gegenüber t-online, „Es geht um die Verhinderung eines Präzedenzfalls, denn wenn eine solche Eigentumsherausgabe einmal verlangt würde, würde dieselbe Forderung in vielen anderen Fällen erhoben.“
Gemeint sind also auch die Unterlagen, die andere Altkanzler nach ihrer Amtszeit mitgenommen haben, wie z.B. Merkel, oder Scholz.
Ein Staat, der seine eigenen Unterlagen nicht zurückholt, damit andere Altkanzler nicht auch betroffen sind, schützt nicht das Archivrecht, sondern die eigene Zunft. Transparenz sieht anders aus.
Quellen: t-online · Correctiv · Bundespresseamt (via Correctiv) · Bundesarchivgesetz