Ich werde in den nächsten Monaten vieles verkaufen.
Dinge, die sich angesammelt haben, Dinge, die man irgendwann einfach nicht mehr braucht, Dinge, die keinen Platz mehr in meinem Leben haben.
Aber eines habe ich mir geschworen:
Meine Karl-May-Sammlung gebe ich nicht her. Niemals.
Die müssen mir – im wahrsten Sinne – aus meinen toten, kalten Fingern reißen.
Der erste Band war ein Geschenk von meinem Vater, damals, als ich noch ein Kind war.
Ein dünnes Buch, abgegriffen an den Ecken, mit diesem typischen Geruch nach altem Papier, der sich in die Erinnerung frisst wie ein gutes Essen in den Gaumen.
Ich verstand damals nicht alles, aber ich verstand genug, um zu merken:
Das ist nicht einfach ein Buch.
Das ist eine Tür.
Und ich habe sie geöffnet.
Über die Jahre war ich immer wieder auf der Suche nach weiteren Bänden – auf Flohmärkten, in muffigen Antiquariaten, in Kisten voll verstaubter Schätze.
Jedes gefundene Buch war wie ein kleiner Sieg, wie eine wiedergefundene Erinnerung, wie ein Stück Kindheit, das ich zurückerobert habe.
In meinem Leben hat sich viel verändert.
Zu viel.
Aber diese Sammlung ist geblieben.
Sie erinnert mich an meine Kindheit, an meine ersten Abenteuer im Kopf, an Zeiten, in denen die Welt noch einfacher war.
Deshalb:
Alles andere kann weg.
Doch diese Bücher?
Nie.
Die gehören zu mir – wie Narben, wie Geschichten, wie das, was man im Leben nur ein einziges Mal bekommt.