Wenn es für mich einen politischen Take Away dieses Wochenendes in Phoenix für Deutschland gibt, dann ist es der folgende: Es bräuchte dringend einen »Turning Point Deutschland«. Mit einem Schulterschluss von rechtskonservativen, libertären, nationalistischen, migrations- und islamkritischen, antigrünen, katholischen, zeitgeistkritischen und »free speech«-Ansichten, die keine Distanzierungswut einander gegenüber haben, sondern ein Gegengewicht zum linken Zeitgeist an Universitäten und Medien bilden.
Vor nichts haben die Etablierten mehr Angst als vor einer Sammlungsbewegung, die integrierend wirkt und sich unter verschiedenen Vorzeichen vereint. Auf der linken Seite war dies nie ein Problem. Dort findet man Ökologen neben Sozialdemokraten, Kommunisten neben LGBTQ- und BLM-Strömungen; alle kämpfen gemeinsam für linke Politik.
Der Geist von Phoenix würde aber bedeuten: Die »silent majority«, die stumme Mehrheit, der Common Sense und die Absage an die Gegenwartsströmungen sind so stark, dass sich verschiedenste Menschen hinter einem Konsens vereinen können, der nicht spaltend, sondern vereinigend wirkt. Das bedeutet nicht, dass alle einer Meinung sein müssen, aber dass man über alles diskutieren kann – und es gewisse Minimalkonsense gibt. In den USA ist diese Haltung vorangeschritten: Dort gibt es deutlich weniger Bekenntnisangst, keine Brandmauern, kein Pipi in den Augen und Angst, keine Ausschlusskriterien – und generell den Glauben, dass jedes Individuum Teil einer nicht-linken Gegenöffentlichkeit sein kann, auch wenn man Minderheiten angehört oder bei Corona, Israel, Russland, Geschichts- oder Sozialpolitik über Kreuz liegt. In der »State Farm Arena« waren gestern schwule Konservative neben Vulgärkommentatoren, die im Affekt »faggot« schreien; da waren Israel-Kritiker neben Zionisten; und Russlandfreunde neben Ukraine-Verteidigern.
Es ist Zeit, dass diese Überzeugung in Deutschland Einzug hält – und Ahmad Mansour neben Martin Sellner, Joana Cotar neben Johannes Volkmann, Maximilian Krah neben Christian Lindner, »Cicero« neben »Sezession«, Boris Palmer neben Jörg Sartor, Sahra Wagenknecht neben Wolfgang Kubicki, und ja, Julian Reichelt neben Björn Höcke auftreten können. Und bevor Menschen jetzt aufschreien und erklären, dass Kubicki und Wagenknecht und Reichelt und Höcke nichts gemein hätten, lasst mich gesagt haben: a) Es stimmt nicht, und b) das Trennende ist vollkommen okay, wenn es dennoch genügend Gemeinsames gibt. Ich weiß, dass das aktuell unvorstellbar scheint, aber genau das ist aus meiner Perspektive essenziell, um die linke Hegemonie zu brechen und Veränderung zu bewirken.