Eva Maria Michelmann ist deutsche Journalistin. Am 18. Januar 2026 wurden sie und ihr kurdischer Kollege Ahmet Polad in Rakka von Kräften der syrischen Übergangsregierung und islamistischen Milizen verschleppt. Beide hatten aus Nordostsyrien über die Offensive der Übergangsregierung berichtet, bei der Zivilisten in den umkämpften Gebieten in Gefahr waren.
In einem Jugendzentrum, in dem Dutzende Menschen Schutz gesucht hatten, wurden sie nach stundenlangem Beschuss festgesetzt. Michelmann verbrachte 152 Tage in syrischer Haft, wurde über mehrere Gefängnisse verlegt und mehr als drei Monate isoliert. Polad blieb zunächst in Syrien in Haft und wurde später in die Türkei überstellt. Sein Gesundheitszustand ist nach acht Monaten Gefangenschaft, Folter und einem mehrmonatigen Hungerstreik äußerst schlecht.
Im Westen wird die Machtübernahme unter Ahmed al-Scharaa vielfach als Schritt hin zu politischem Wandel und Modernisierung Syriens dargestellt. Vor Ort zeigt sich für viele Menschen jedoch ein anderes Bild. Besonders für die kurdische Bevölkerung steht viel auf dem Spiel: In Nordostsyrien wurden in den vergangenen Jahren Strukturen der Selbstverwaltung und Fortschritte bei den Rechten von Frauen aufgebaut. Michelmann berichtet, wie diese Errungenschaften durch die Gewalt der neuen Machthaber und die Angriffe auf die Region bedroht werden.
Das ganze Interview mit Eva Maria Michelmann gibt es auf unserem YouTube-Kanal.