Der neue Film über die Nürnberger Prozesse endet mit einer klaren Warnung des Psychiaters Kelley: Es war keine deutsche Krankheit. Es war roher Ehrgeiz, reines Machtstreben und eine hohle Moral. Solche Menschen gibt es in jedem Land – auch in den USA heute. Und man wird sie nicht an Uniformen erkennen.
Genau diese Rhetorik ist gefährlich. Sie liefert die perfekte Brücke für den Fehlschluss, Trump und ICE-Politik mit dem NS-Regime gleichzusetzen. Der Film reduziert die spezifische totalitäre Vernichtungsmaschinerie des Nationalsozialismus auf allgemeines Machtstreben und betont, dass alles mit Gesetzen begann – und dass es zu spät ist, wenn man erst einmal zugelassen hat, dass es so weit kommt.
Das ist historisch unredlich. Menschen, die tagtäglich das Trump-Nazi-Narrativ aus Medien und sozialen Netzwerken konsumieren, werden dieses Filmende als Bestätigung lesen: Trump als nächster Göring oder Hitler. Der Film ist keine neutrale historische Verfilmung. Er ist ein kulturelles Werk, das genau das Framing bedient, das linke Medien seit Jahren betreiben.
In diesem Film geht Hitlers rechte Hand, der Reichsmarschall Göring, zudem als der große Gewinner hervor. Was auf gefährliche Weise zeigt, dass manche Menschen sich über Recht und Gesetz oder auch Verurteilungen hinwegsetzen. Dies ist so historisch zwar akkurat, hätte man aber durchaus auch weniger heroisch für Göring darstellen können.
Meine Sorge ist, dass einige fehlgeleitete US-Bürger nach dem Sehen dieses Films in einer hirnverbrannten Weise 1 und 1 zusammenzählen werden, die dieser Film anstachelt. Der Film selbst nutzt eine Rhetorik, vor der er eigentlich selbst hätte warnen sollen.
Es sollte eigentlich darum gehen, dass jeder von uns theoretisch ein Nazi gewesen wäre. Weil jeder von uns seine Familie hätte beschützen wollen. Und dafür nimmt man kein Risiko in Kauf. Schritt für Schritt kann jeder von uns zum Nazi werden, insofern wir nicht höllisch aufpassen. Das sollte die Warnung sein. Und nicht, dass im Grunde jeder nach Macht strebende Mensch bald schon ein Nazi sein könnte und man den besonders Mächtigen daher Einhalt gebieten müsse, bevor es zu spät ist. Insbesondere natürlich ein Mensch, der ohnehin schon dauernd fälschlicherweise als Nazi bezeichnet wird: Donald Trump.
Ich hoffe, ich interpretiere hier zu viel rein, aber das Ende dieses Films hat definitiv ein ungutes Gefühl bei mir hinterlassen, was die Sicherheit des US-Präsidenten angeht.