Meine 81-jährige Nachbarin hat mir letzte Woche beiläufig erzählt, dass sie im Winter nur ein Zimmer heizt.
Nicht aus Prinzip. Weil die Nachzahlung im letzten Jahr 340 Euro war und sie das nicht nochmal will.
Ich hab sie gefragt, wie hoch ihre Rente eigentlich ist. Sie hat kurz gezögert und es dann gesagt.
Ich habe nachgerechnet. Sie hätte mit ziemlicher Sicherheit Anspruch auf Grundsicherung im Alter.
Sie wusste das nicht. Und als ich es gesagt habe, war ihre erste Reaktion nicht Erleichterung, sondern: “Das ist doch für Leute, die es wirklich nötig haben.”
Sie friert in ihrer eigenen Wohnung und hält sich selbst nicht für bedürftig.
Das ist kein Einzelfall. Das DIW hat berechnet, dass rund 60 Prozent der anspruchsberechtigten Senioren die Grundsicherung nicht beantragen. Hochgerechnet etwa 625.000 Haushalte. Die Gründe: Unwissen, Bürokratie, Scham.
Diese Haushalte könnten ihr Einkommen im Schnitt um fast 30 Prozent steigern. Besonders hoch ist die Quote bei Menschen ab 77.
Wir füllen den Antrag jetzt zusammen aus. Zwei Abende, schätze ich.
Falls ihr Eltern oder Großeltern mit kleiner Rente habt: Fragt nach. Der Anspruch besteht auch neben der Rente und sogar bei Wohneigentum.
Viele lassen jahrelang Geld liegen, das für sie gedacht ist. Nicht weil sie es nicht brauchen, sondern weil ihnen nie jemand gesagt hat, dass es ihnen zusteht.