Nike: Weiter fallendes Messer oder echter Turnaround? (
$NKE).
Die Timeline, vor allem im englischsprachigen Raum, ist aktuell voll mit Nike Prognosen:
„Nur noch ein letzter Shakeout, dann kommt der finale Boden und die Aktie steigt wieder.“
Dieser Glaube ist an der Börse jedoch gefährlich: Eine Aktie, die bereits 70 % oder 80 % gefallen ist, kann problemlos noch einmal um weitere 30 % nachgeben – oder sich im schlimmsten Fall nie wieder vollständig erholen (auch wenn ich Letzteres bei einer globalen Marke wie Nike für unwahrscheinlich halte).
Der Absturz vom Allzeithoch ($179 auf aktuell knapp $40) ist kein Mysterium.
Wir sehen hier bilderbuchmäßig, dass der Kurs schlichtweg den kollabierenden Fundamentaldaten nach unten gefolgt ist (Stand Geschäftsjahr 2026):
Umsatz Rückgang:
In FY24 lag der Rekordumsatz noch bei 51,36 Mrd. USD.
Im jüngst abgeschlossenen FY26 meldete Nike nur noch 46,4 Mrd. USD.
Ein Wegbruch von fast 5 Milliarden Dollar.
Gewinn Halbierung:
Der Nettogewinn stürzte nach dem Rekordjahr FY24 (5,7 Mrd. USD) im Folgejahr drastisch ab und stagniert nun in FY26 auf einem Tiefstand von 3,1 Mrd. USD.
Margen Kollaps:
Auf dem Peak (FY22) glänzte Nike mit einer operativen Marge von 14,3 %. Heute kämpft das Unternehmen mit drückenden 8,2 %.
Asien Problem:
Im einstigen Wachstumsmotor China brachen die Umsätze zuletzt um fast 13 % auf 6,58 Mrd. USD ein.
Strategischer DTC-Fehltritt:
Der radikale Rückzug aus dem Großhandel hat wertvolle Regalfläche gekostet.
Konkurrenten wie On und Hoka haben diese Lücken dankbar gefüllt.
Wie identifiziert man also wirklich eine fundamentale Trendwende?
Value Investoren fangen keine fallenden Messer, sondern setzen sich messbare Anzeichen für den Turnaround:
Margen-Stabilisierung:
Rückkehr der Bruttomarge auf das historische Normalniveau von >45 % und der operativen Marge zurück in den zweistelligen Bereich (>12 %).
Lagerabbau (Inventory):
Der „Days Inventory Outstanding“ (DIO) muss wieder auf ein gesundes Niveau von unter 95 Tagen sinken, um erzwungene Rabattschlachten zu beenden.
Wholesale-Comeback:
Ein konstantes Umsatzwachstum im klassischen Einzelhandel (Wholesale) von >5 % YoY, um den verlorenen Regalplatz zurückzuerobern.
Kapitaleffizienz (ROIC):
Der Return on Invested Capital muss den Abwärtstrend stoppen und wieder die 20 %-Marke ins Visier nehmen.
Produkt-Innovation:
Ein messbar steigender Umsatzanteil neuer Performance-Linien (Running), statt sich auf schrumpfenden Marktanteilen alter Retro-Modelle (Dunk, Air Force 1) auszuruhen.
Ein operativer Turnaround dauert in der Bekleidungsindustrie von der Design-Pipeline bis ins Regal meist 12 bis 18 Monate.
Bis diese Metriken wieder stimmen, hilft kurzfristig wohl höchstens noch Sydney Sweeney als Markenbotschafterin 😉
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