Unterstützungserklärung von 133 iranischen politischen Gefangenen und Aktivisten anlässlich des Besuchs von Prinz Reza Pahlavi in Deutschland
"Im Namen Irans
An den Vorstand und die Verantwortlichen der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit
Sehr geehrte Damen und Herren,
wir, die Unterzeichnenden dieses Schreibens, sind politische Gefangene, die derzeit in Iran inhaftiert sind. Wir danken Ihrer Stiftung für die Entscheidung, den Freiheitspreis 2026 dem iranischen Volk zu verleihen und Prinz Reza Pahlavi damit zu betrauen, diesen stellvertretend und treuhänderisch für das iranische Volk entgegenzunehmen.
Wir danken Ihnen dafür, dass Sie den Freiheitskampf des iranischen Volkes sowie das Leid der politischen Gefangenen und das Andenken an diejenigen würdigen, die auf dem Weg zur Freiheit ihr Leben verloren haben.
Dieses Schreiben erreicht Sie und die internationale Gemeinschaft hinter den Mauern iranischer Gefängnisse. Unter uns befinden sich Menschen, die viele Jahre ihres Lebens in Haft verbracht haben. Folter, Repression und der Druck auf Gefangene und ihre Familien sind zum Preis für die Forderung nach Freiheit in unserem Land geworden. Wir haben dieses Leid in der Hoffnung auf ein freies Iran ertragen. Heute bitten wir Sie, unsere Stimme zu hören.
Am 8. und 9. Januar 2026 gingen Menschen in Iran auf die Straße, um Freiheit und ein Ende der Islamischen Republik zu fordern. Ihnen wurde mit blutiger Repression begegnet. Veröffentlichte Berichte und Schätzungen sprechen von Zehntausenden Todesopfern. Tausende weitere Menschen wurden festgenommen. Zahlreiche Familien trauern bis heute um ihre Angehörigen oder warten noch immer auf Nachricht über deren Schicksal.
Auch nach diesen Tagen endete die Repression nicht. Die Hinrichtungen von Demonstrierenden und politischen Gefangenen wurden fortgesetzt. In vielen dieser Verfahren wird den Betroffenen nicht einmal die Tötung eines Menschen vorgeworfen. Dennoch werden Todesurteile auf der Grundlage von unter Folter erzwungenen Geständnissen und in unfairen Gerichtsverfahren verhängt. Menschen werden ihres Lebens beraubt, weil sie ein menschenwürdiges Leben, Freiheit und das Recht eingefordert haben, selbst über ihre Lebensweise zu bestimmen. Wer unbewaffnet für seine Rechte auf die Straße gegangen ist und niemanden getötet hat, darf nicht zum Tode verurteilt und hingerichtet werden.
Wir Unterzeichnenden betrachten Prinz Reza Pahlavi als unseren politischen Vertreter und als Stimme unserer Forderungen gegenüber der internationalen Gemeinschaft. Wir vertrauen ihm die politische Vertretung unserer Anliegen auf dem Weg zur Freiheit Irans an und haben keine andere Person als unsere Vertretung benannt. Wir bitten Prinz Reza Pahlavi, diese Botschaft bei der Entgegennahme des Freiheitspreises vor die Weltöffentlichkeit zu tragen.
Unser Ziel ist das Ende der Islamischen Republik und die Errichtung einer freien und demokratischen Staatsordnung, die vom Willen des Volkes getragen wird, die territoriale Integrität Irans wahrt und auf der Trennung von Religion und Staat beruht.
Wir unterstützen Prinz Reza Pahlavi bei der Führung des Übergangs zu einem solchen Iran.
Über die zukünftige Staats- und Regierungsform Irans muss das iranische Volk in einer freien Abstimmung selbst entscheiden. Die Rechte und Freiheiten aller Bürgerinnen und Bürger müssen unabhängig von Herkunft, Geschlecht, Religion, Weltanschauung oder politischer Überzeugung geachtet und geschützt werden.
Wir werden keine Lösung akzeptieren, die die Freiheit des iranischen Volkes oder das Ende der religiösen Herrschaft außer Acht lässt.
Wir fordern die Regierungen und internationalen Institutionen auf: Seien Sie die Stimme der Hingerichteten, ihrer Familien und der politischen Gefangenen, denen die Hinrichtung droht. Handeln Sie unverzüglich, um das Leben dieser Gefangenen zu retten und weitere Hinrichtungen zu verhindern. Lassen Sie nicht zu, dass Menschen hingerichtet werden, weil sie für Freiheit und ein besseres Leben protestiert haben.
Üben Sie wirksamen internationalen Druck aus, um die bedingungslose Freilassung politischer Gefangener und ein Ende der Folter zu erreichen. Fordern Sie unabhängigen internationalen Beobachtern Zugang zu den Gefängnissen und verlangen Sie die Aufklärung des Schicksals der Festgenommenen und Verschwundenen.
Beenden Sie die Politik der Beschwichtigung und der Geschäfte mit der Islamischen Republik. Das Leben und die Freiheit des iranischen Volkes dürfen nicht Gegenstand politischer oder wirtschaftlicher Kompromisse sein. Beenden Sie politische Unterstützung und Geschäfte, die zum Fortbestand dieses Regimes oder zur Stärkung seines Repressionsapparates beitragen. Die Verantwortlichen für Tötungen, Folter und andere schwere Menschenrechtsverletzungen müssen zur Rechenschaft gezogen werden. Ihre Taten dürfen im Rahmen politischer oder wirtschaftlicher Vereinbarungen nicht in Vergessenheit geraten.
Die eingefrorenen iranischen Vermögenswerte gehören dem iranischen Volk. Wir fordern die Regierungen, in deren Hoheitsbereich sich diese Vermögenswerte befinden, auf, einen rechtmäßigen und transparenten Mechanismus zu schaffen, durch den diese Mittel – in Abstimmung mit Prinz Reza Pahlavi sowie unter unabhängiger Kontrolle und transparenter Rechnungsprüfung – zur Unterstützung des Freiheitskampfes des iranischen Volkes sowie der Familien politischer Gefangener und der Getöteten eingesetzt werden können. Diese Mittel dürfen nicht erneut dem Repressionsapparat oder den mit dem Regime verbundenen Netzwerken zur Verfügung gestellt werden.
Unterstützen Sie die Menschen in Iran dabei, Zugang zu einem freien und sicheren Internet zu erhalten. Nehmen Sie die Bereitstellung und Finanzierung von Starlink sowie anderer sicherer Kommunikationsmöglichkeiten in Ihre Unterstützungsmaßnahmen auf. Die Menschen müssen miteinander kommunizieren, Informationen austauschen und ihre zivilgesellschaftlichen Aktivitäten und Proteste koordinieren können. Lassen Sie nicht zu, dass die Regierung durch Internetsperren ihre Repression vor der Welt verbirgt und die Verbindung der Menschen in Iran zur Außenwelt unterbricht.
Wir appellieren an die internationale Gemeinschaft, die Bemühungen von Prinz Reza Pahlavi für die Freiheit Irans zu unterstützen und die Forderungen des iranischen Volkes, die er gegenüber der Welt vertritt, ernst zu nehmen. Ihre Unterstützung muss sich in konkreten Maßnahmen zum Schutz des Lebens politischer Gefangener und zur Stärkung der Menschen in Iran niederschlagen.
Wir wollen ein Iran, dessen Regierung gegenüber seinem Volk rechenschaftspflichtig ist und dessen Ressourcen dem Wohlergehen seiner Menschen dienen. Wir wollen mit unserem Wissen, unserer Arbeit und unserer Kultur einen Beitrag zur internationalen Gemeinschaft leisten und mit unseren Nachbarn und anderen Nationen in Frieden leben.
Die Zukunft Irans muss frei sein von Terrorismus, Kriegstreiberei und Unterdrückung.
Wir bitten die Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, diese Botschaft an Regierungen, internationale Institutionen und die Weltöffentlichkeit weiterzutragen. Zugleich bitten wir Prinz Reza Pahlavi, bei der Verleihung des Freiheitspreises die Stimme der politischen Gefangenen in Iran hörbar zu machen.
Seien Sie unsere Stimme und die Stimme der Familien, die Gerechtigkeit für ihre Angehörigen fordern. Für diejenigen, denen die Hinrichtung droht, zählt jeder einzelne Tag. Lassen Sie das iranische Volk auf seinem Weg zur Freiheit nicht allein.
Mit Hochachtung und in der Hoffnung auf ein freies Iran
Eine Gruppe politischer Gefangener in Iran,
Oktober 2026"