Die Buchmesse "SeitenWechsel", die am 7./8. November zum zweiten Mal in Halle über die Bühnen geht, hat eine Vorgeschichte. Mehrere rechte Verlage, die dort ausstellen, sind von der Frankfurter Buchmesse systematisch vergrault worden.
Es begann im Oktober 2017.
„Auf der Frankfurter Buchmesse präsentieren sich in diesem Jahr auch einige rechte bis rechtsextreme Verlage”, verkündete Alexander Skipis, der dem Börsenverein des deutschen Buchhandels als Hauptgeschäftsführer vorsteht, in dessen Newsletter und lud „dazu ein, die Begegnung mit den Verlagen nicht zu scheuen und für Ihre Meinungen und Werte einzutreten. Meinungsfreiheit heißt auch Haltung zu zeigen. Engagieren Sie sich!” Damit die Haltungszeiger nicht an die falschen Stände tapern, setzte Skipis hinzu: „Drei dezidiert rechte Verlage werden mit einem eigenen Stand vertreten sein: Antaios (Halle 3.1, Stand G 82), Manuscriptum (Halle 4.1, Stand E 46) und die Junge Freiheit (Halle 4.1, A 75).”
An zweien der drei Stände wurden in den Messenächten daraufhin Unbekannte vorstellig, um "sich zu engagieren" und "ihre Werte zu verteidigen", wobei sie die Begegnung mit den Rechten selbst freilich scheuten. Jedenfalls traten sie „für eine offene, vielfältige Gesellschaft ein, für Toleranz und Solidarität”, wie es der Herr Skipis in seinem Newsletter mit Zielzuweisung und Adressangabe forderte. Am 12. Oktober war der Manuscriptum-Verlag das Ziel, wobei man angesichts der Tatsache, dass die Messe bis Samstag eine geschlossene Veranstaltung ist, vermuten darf, dass diese Lemuren von irgendwelchen linken Stiftungen oder Verlagen kommen, um auf ihre sympathische Art für Vielfalt zu werben. Wie die Manuscriptum-Mitarbeiter am Morgen ihren Stand vorfanden, den sie am Abend mit den Neuerscheinungen gefüllt hatten, sieht man auf dem Foto.
Der Stand war mit vulgären Schmiereien verziert worden, die Bücher, die dort standen, hatte die nächtlichen Besucher in die umliegenden Papierkörbe und Mülltonnen entsorgt (ein paar sieht man noch in dem Papierkorb im Regal oberhalb des Tisches). Sie stammten von Autoren wie Rolf Peter Sieferle, Václav Klaus, Metropolit Hilarion, Alexander Gauland, H. L. Mencken. Unter den weggeschmissenen Büchern befand sich auch mein Roman „Land der Wunder”.
Es waren verhetzte junge Leute, die sich in ihrem sinistren Treiben legitimiert fühlten durch Opportunisten wie Skipis oder den Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann, der in seiner Rede am Eröffnungsabend der Messe angekündigt hatte, er werde mal „an diesen Stand” gehen – er meinte den Antaois-Verlag –, sich „diese Antidemokraten” anschauen und ein ernstes Wörtchen mit ihnen reden. Als er tags darauf tatsächlich bei Antaios vorbeischaute, waren ihm auch dort die bereits außerhalb der Öffnungszeiten Engagierten zuvorgekommen.
Eine Stellungnahme der Messeleitung oder des Börsenvereins zu der doch eher ungewöhnlichen Tatsache, dass auf der Buchmesse Bücher gezielt entfernt und zerstört werden – stellen Sie sich vor, dergleichen wäre bei Suhrkamp oder Unrast passiert –, erfolgte nie.
Im Jahr darauf positionierte die Messe die erwähnten Verlage in einem Extra-Gang, der zudem eine Sackgasse war und in den sich keinerlei Laufkundschaft verirrte. Warum dann Standgebühren bezahlen, dachten die sich. Die Etablierung der Messe in Halle ist eine logische Folge der Messeausschlüsse in Frankfurt. Als deutlich wurde, dass sie in Frankfurt (und Leipzig) nicht erwünscht sind, habe sich die Rechten eben eine eigene Messe geschaffen.
Wenn Linke nun auch gegen diese Messe demonstrieren, zeigen sie nur, dass ihr eigentliches Ziel darin besteht, diese Verlage wirtschaftlich zu zerstören und die dort veröffentlichten Bücher am besten ganz aus der Welt zu schaffen.