Der Bericht zu meiner Zeit in der AfD wurde offensichtlich von X ohne eine Mitteilung gelöscht, denn ich war es nicht.
Deshalb hier nochmal:
Warum ich in der AfD war – und warum ich wieder ging
Ich werde von Blaubraunen angefeindet, und nicht selten wurde ich gefragt: Warum warst du eigentlich in der AfD?
Eins vorweg: Ich war nicht aus politischen Ambitionen oder ideologischen Gründen dort. Ganz ehrlich – wer lässt sich freiwillig von solchen Kleingeistern etwas sagen?
Ich habe vor ein paar Jahren einem meiner liebsten Menschen etwas versprochen: auf das zu achten, was ihm wichtig war. Als er die schlimmste aller Nachrichten erhielt, sah er längst das braunblaue Unwetter am Horizont unseres Umfeldes aufziehen. Es brach mir das Herz, dass er in seiner letzten Zeit nicht mehr immer offen sprechen konnte, nicht mit all seinen Liebsten.
Als es dann immer absurder wurde, beschloss ich, die AfD von innen kennenzulernen und wurde Mitglied.
Was ich dort sah, hörte und erlebte, war schockierend: Eine sektenartige Struktur, ein kranker Personenkult, und Menschen, die sich gegenseitig in ihrer Radikalität überboten. Ich musste mit ansehen, wie jemand, der einst offen, freundlich und lebensfroh war. Sich in eine verbitterte Hülle verwandelte und plötzlich nur noch Stammtischparolen und Verschwörungsstuss nachplapperte.
Ich war zu dem Zeitpunkt schon eine Weile dabei und bekam Einblick, wie die Mauschelei in der Partei funktioniert. Bei einem Kreisparteitag wurde ich auf Platz 1 der Kommunalwahlliste gewählt, ohne dass ich je ein Wort gesagt oder mich vorgestellt hatte. Offenbar hielt man mich für einen genügsamen Flügelmann, ein Irrtum. Von solchen Leuten lasse ich mir ganz sicher nichts sagen.
Das letzte große Ereignis war der Landesparteitag, inklusive dem berüchtigten „Kampf ums Mikrofon“. Schon da wurde ich misstrauisch beäugt. Als ich mich dann während der Saalräumung kurz mit einem Journalisten unterhielt, war klar: Ich werde jetzt beobachtet, denn es stand sofort einer bei uns und ließ mich nicht mehr aus den Augen.
Dann kam Alice und erwachsene Menschen begannen, sich wie kreischende Teenies um Selfies zu drängeln. Bei geheimen Wahlen wurde offen gegen Regeln verstoßen, denn die „richtigen“ Wahlergebnisse wurden vorab in der WhatsApp-Gruppe durchgegeben.
Zum Abschluss bot man mir sogar noch einen dubiosen (illegalen) Job an, ich sollte Geld für ein anderes Mitglied eintreiben.
Damit war mein Ziel erreicht: Ich hatte gesehen, was ich sehen wollte. Ich trat kurz darauf aus.
Und ja, es ging dann erst richtig los: Belästigungen, Bedrohungen, ständige Anfeindungen. Ich wurde am Ende dennoch parteilos in den Kreisrat gewählt. Ironischerweise nahm ich der AfD so ungewollt einen Platz weg. Ein schöner Nebeneffekt.
Bis heute halten die Belästigungen an. Mittlerweile juckt mich das nicht mehr. Mein Handy filtert alles automatisch, ich sehe nur, wie die Zahl steigt. Die meisten dieser Menschen sind so fanatisch wie feige. Eine sachliche Auseinandersetzung? Nicht möglich.
Mein Fazit: Die AfD ist fanatisch und dumm. Aber das macht sie nicht ungefährlich, ganz im Gegenteil.