„Gegen Populismus hilft gutes Regieren.“
Dieser Satz des Schweizer Mitte-Politikers Gerhard Pfister trifft einen entscheidenden Punkt der deutschen Debatte nach der Wahl in Sachsen-Anhalt.
Die Antwort auf den Erfolg der AfD kann nicht darin bestehen, ihre Sprache, ihre Narrative oder ihre Forderungen zu kopieren.
Pfisters Erfahrung aus dem jahrzehntelangen Umgang mit der rechtspopulistischen SVP:
Demokratische Parteien müssen eigene, glaubwürdige Antworten liefern. Populisten profitieren davon, wenn Probleme ungelöst bleiben. Politik, die konkrete Probleme tatsächlich löst, nimmt ihnen einen Teil ihrer Grundlage.
Bemerkenswert ist dabei eine zweite Aussage:
AfD-Wähler pauschal als Extremisten abzuschreiben, hält Pfister für falsch. Gleichzeitig bedeutet eine Wahlentscheidung auch Verantwortung. Die politische Führung einer Partei und ihre Wähler müssen deshalb analytisch voneinander getrennt werden – ohne die Konsequenzen der Wahlentscheidung zu verharmlosen.
Und noch eine Lehre ist wichtig:
Die Schweiz taugt nicht als einfache Blaupause für Deutschland. Direkte Demokratie, Föderalismus, Regierungssystem und historische Voraussetzungen unterscheiden sich erheblich. Pfister hält deshalb auch die deutsche Abgrenzung gegenüber der AfD für nachvollziehbar und richtig.
Sein Ansatz ist damit weder „AfD-Positionen übernehmen“ noch „AfD-Wähler ausgrenzen“.
Er lautet:
Probleme ernst nehmen. Eigene Lösungen anbieten. Kompromisse erklären. Mit Menschen außerhalb der eigenen politischen Blase sprechen. Und dort eine klare Grenze ziehen, wo demokratische und verfassungsrechtliche Grundsätze berührt werden.
Vielleicht ist genau das die interessantere Antwort auf die Frage, warum populistische Parteien erfolgreich werden:
Nicht nur fragen, warum Menschen sie wählen.
Sondern auch, welche Probleme demokratische Parteien zuvor nicht überzeugend gelöst haben.
Quelle: DER SPIEGEL, Interview mit Gerhard Pfister, 12.09.2026
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