"Herr Kessler, was passiert mit den Menschen, die im freien Markt verlieren? Den Kranken. Den Pflegebedürftigen. Diejenigen, die ihren Arbeitsplatz verlieren. Der Familie, die ihre Miete nicht mehr bezahlen kann. Sagen Sie denen tatsächlich: Der Markt wird das schon regeln?"
Diese Frage wurde mir eben anlässlich meiner neusten Buchveröffentlichung in einem Interview gestellt, in welcher der Staat eindeutig als der grössere Versager als der Markt identifiziert wurde (das Buch/E-Book ist hier verfügbar:
libinst.ch/product/wer-ist-d…)
Ich sehe die Gegner einer freien Marktwirtschaft angesichts der obigen Frage bereits frohlocken. Sie glauben, dies sei das Totschlag-Argument gegen jeden Freiheitsaktivisten schlechthin. Doch sie irren.
Wie ich auf die Frage geantwortet habe? Nun:
"Der Markt ist die Gesamtheit aller freiwillig handelnder Menschen. Wenn man sagt, der Markt wird das nicht regeln, sagt man in anderen Worten: Alle Menschen, ich inklusive, sind asozial. Niemand kümmert sich um die Schwachen und Bedürftigen, wenn wir den Menschen nicht sprichwörtlich die Pistole an die Brust halten und sie unter Androhung von Zwang und Gewalt dazu nötigen.
Doch entspricht ein solches Menschenbild wirklich unserer Lebensrealität? Die allermeisten Menschen sind soziale Wesen, die sich sehr wohl um das Wohl anderer kümmern: die Eltern, die sich um ihre Kinder sorgen; die Kinder, die sich um ihre pflegebedürftigen Eltern kümmern; der Normalo, der regelmässig an Hilfswerke spendet, seinem arbeitslosen Freund unter die Arme greift oder sich freiwillig in Vereinen zur Unterstützung von Bedürftigen engagiert.
Die Tatsache, dass diese Frage, was in einem freien Markt mit den Bedürftigen passieren würde, immer und immer wieder von so vielen Leuten gestellt wird, beweist ja gerade, dass uns unsere Mitmenschen nicht egal sind und sie diese nicht einfach auf der Strasse verrecken lassen würden, wenn niemand sie dazu zwingt, zu helfen.
Natürlich hat der Sozialstaat auch einige dazu gebracht, dem Bettler auf der Strasse nicht mehr zu helfen, weil sie sich denken, dass sie ja schon mehr als genug Steuern ans Sozialamt zahlen müssen und sich die jetzt darum kümmern sollen. Dies zeigt jedoch nur, dass staatliche Interventionen oftmals eine Anonymisierung durch Bürokratisierung sowie soziale Kälte zur Folge haben. Es bedeutet nicht, dass ein freier Markt nicht funktionieren und dort den Menschen nicht geholfen würde."
Was ist eure Meinung dazu? Welche Argumente hättet ihr noch angefügt?