âWir dachten zuerst, es seien Knallkörper. Dann sah es hinten im Saal nach Funken aus. Rasch wurde klar, dass es sich um MĂŒndungsfeuer handelte. Drei MĂ€nner mit Gewehren schossen den Zuschauern in den RĂŒcken und stĂŒrmten weiter, in die Menge schieĂend.â
âDas Trio war unvermummt, mit kurzen BĂ€rten. Einer befahl den ĂŒber tausend Zuschauern, sich auf den Boden zu legen. In akzentfreiem Französisch erklĂ€rte er: Ihr habt in Syrien unsere BrĂŒder getötet, jetzt sind wir hier.â
âSie sagten, wenn ihr euch bewegt, töten wir euch. Sie erschossen die auf dem Boden liegenden Leute trotzdem.â
âSie töteten, töteten, töteten. Ich war von Toten umgeben. Ich weiĂ nicht, wie ich ĂŒberlebt habe.â
âSie waren schwarz gekleidet. Einer hatte ein sehr jungenhaftes Gesicht, und er ging seelenruhig zur Sache. Er ging sehr methodisch zu Werke, töteten eiskalt einen nach dem anderen.â
âSein Blut ergoss sich auf mein Bein. Meinen Nachbarn, einen Mann von 50 Jahren, traf ein Schuss direkt ins Gesicht; StĂŒcke seines Hirn fielen auf meine Brille. Ich hörte die Kugeln und versuchte, auf den Boden zu schauen. Da war eine riesige Blutlache.â
MerkwĂŒrdigerweise hört man die Kugeln fast nicht, wenn sie von der NĂ€he aus abgeschossen werden. Aber ich spĂŒrte ihre Hitze an der Wange. Ich war bereit zu sterben. Ich wog damals 122 Kilo, 20 mehr als heute. Wenn einer getroffen wird, dann ja wohl ich.â
âIrgendjemand schaltete das Licht in der Halle an. Keine Ahnung, wer das war. Ich erkannte den Mann, der gerade noch neben mir an der Bar geholt hatte. Er lag am Boden, sein halbes Gesicht war zerstört. Er war tot.â
âIch lag auf dem Bauch. Meine Freunde waren neben mir. Wir haben langsam und leise geredet. Die Freunde hatten Kinder, ich nicht. Sie hatten mehr Angst als ich. Der rechts sagte: Ich muss meine beiden Kinder wiedersehen.â
âWenn ein Meteorit irgendwo einschlĂ€gt, sind alle sofort tot. Die eigentliche Folter war, dass sie die Leute einzeln erschossen haben.
Manche schrien noch Gnade. Schon wurden sie erschossen.â
âEinmal schrie ein AttentĂ€ter: Wenn einer nach Hause will, dann jetztâ
Einzelne sind aufgestanden, die wurden gleich erschossen. Auf dem Boden war Blut. Ăberall waren Tote und Blut.â
âIch stieg ĂŒber einen Mann am Boden. Ich nahm seine Hand, doch sie war schlaff und kĂŒhl. Ein paar Meter weiter sah ich eine junge Frau, sie war am RĂŒcken getroffen worden. Leute sind auf sie gestiegen. Reflexhaft kauerte ich mich zu ihr, unter uns war eine PfĂŒtze aus Blut.â
Ich rannte zum groĂen Boulevard Voltaire, stolperte, verlor meine Brille. Ich drehte mich zurĂŒck zu dem Mann, ĂŒber den ich gestolpert war und wollte mich entschuldigen. Beim Runterbeugen sah ich. Er war tot. Wir sind in ein Wohnhaus geflĂŒchtet und klopften an TĂŒren, aber niemand machte auf. Die Leute hatten Angst.â
âNach gefĂŒhlt einer halben Stunde schrie jemand: Nicht bewegen, sonst schieĂe ichâ
Dann gab es eine Explosion. Mein linkes Ohr wurde taub davon. Es regnete Blut und menschliche Ăberreste auf uns.â
âNach einer Weile kam ein Polizist vom Sondereinsatzkommando zu uns hoch und hielt eine kleine Ansprache, die ich nie vergessen werde. Er sagte: Ich freue mich, Sie alle zu sehen, denn Sie sind Ăberlebende des Bataclan. Sie sind Helden. Vergessen Sie das nie!â