Zur Methode: Die Analyse verbindet die Positionen der Parteien im Wahl-O-Mat mit ihren Parlamentssitzen. So lässt sich untersuchen, bei welchen Themen feste Koalitionen übereinstimmen und wo wechselnde Parteikonstellationen eine Mehrheit tragen könnten.
Als "Mehrheit" zählt durchgängig die absolute Mehrheit: mehr als die Hälfte sämtlicher Parlamentssitze (in Abstimmungen reicht übrigens die einfache Mehrheit - es wird also gegen flexible Mehrheiten gerechnet). Bei 158 Sitzen sind also mindestens 80 erforderlich. Genau 50 Prozent reichen nicht.
Zunächst werden alle rechnerisch möglichen Minimalgewinnkoalitionen bestimmt. Das sind Parteigruppen, die gemeinsam eine Mehrheit besitzen, diese aber verlieren, sobald ein Partner ausscheidet. Jeder Partner ist für die Mehrheit notwendig.
Für jede dieser Konstellationen wird anschließend die Einigkeit bei den einzelnen Thesen geprüft. Einig sind die Parteien, wenn sie alle zustimmen, alle ablehnen oder alle neutral antworten. Eine Mischung aus Neutralität und Zustimmung beziehungsweise Ablehnung gilt als „uneinig“. Treffen Zustimmung und Ablehnung aufeinander, lautet die Einstufung „sehr uneinig“. Die Größe der Parteien spielt für diese Einigkeitsprüfung keine Rolle.
Bei flexiblen Mehrheiten kann sich die Parteikonstellation dagegen von Thema zu Thema ändern. Für jede These werden die Sitze aller zustimmenden und aller ablehnenden Parteien getrennt addiert. Erreicht eine dieser Gruppen mehr als die Hälfte aller Sitze, besteht eine flexible Mehrheit. Als tragende Parteien zählen sämtliche Parteien dieser Mehrheitsposition, auch wenn einzelne davon rechnerisch entbehrlich wären.
Auch eine gemeinsame Ablehnung zählt damit als Mehrheit. Gemessen wird, ob eine gemeinsame Position mehrheitsfähig ist – das kann ebenso ein Ja wie ein Nein sein. Neutrale Antworten unterstützen keine der beiden Seiten. Gemeinsame Neutralität zählt folglich zur Einigkeit einer festen Koalition, aber nicht als flexible Mehrheit.
Ausschlussszenarien entfernen AfD oder Linke aus den möglichen Mehrheitsgruppen. Die Mehrheitsschwelle bleibt jedoch unverändert: Ihre Sitze gehören weiterhin zum Parlament.
Über die Themen hinweg zählt jede These gleich viel. Ihr politisches Gewicht wird nicht bewertet. Der ausgewiesene Anteil nennt die Thesen mit einer solchen Mehrheit im Verhältnis zu allen untersuchten Thesen. Fehlt einer berücksichtigten Parlamentspartei eine Antwort, wird der Fall vorsichtig als unvollständig behandelt – selbst wenn die bekannten Stimmen bereits ausreichen könnten.
Die Berechnung unterstellt unveränderte Parteipositionen und geschlossenes Abstimmungsverhalten. Sie beschreibt damit politische Handlungsspielräume unter diesen Annahmen. Ob Parteien tatsächlich zusammenarbeiten, Kompromisse schließen oder gemeinsam regieren können, bleibt eine weitere Frage.