Peter Thiel
@peterthiel steht da auf der Springer‑Bühne, nimmt den Preis entgegen und spricht mit der Gravitas eines Mannes, der gewohnt ist, dass ihm niemand widerspricht.
Die Medien seien „sehr, sehr einseitig“, manche gar eine „linke Hassfabrik“. Man hört den Satz – und die Pointe läuft schon los, bevor er fertig ist.
Ein Milliardär, der Palantir mitgegründet hat, also jene Software, mit der Staaten und Geheimdienste Datenströme durchpflügen, erklärt uns die Freiheit der Presse.
Derselbe Mann, der Gawker finanziell zu Fall brachte, weil ihm die Berichterstattung nicht gefiel.
Derselbe, der ein Start‑up mitfinanzierte, das Journalistinnen und Journalisten per KI und „Ehrenindex“ sortieren sollte.
Und jetzt steht er auf der Bühne eines der größten Medienhäuser Europas und klagt über mangelnde Meinungsfreiheit.
Das ist ungefähr so, als würde der Betreiber der Überwachungskamera sich über zu wenig Privatsphäre beschweren.
Besonders elegant: Springer ist für ihn die „Gegenstimme“. Nicht ein Konzern mit BILD, WELT, Politico und Business Insider – sondern der letzte tapfere Außenposten gegen die angebliche Einheitsmeinung.
Dass er den Preis genau dort bekommt, wo man ihn als visionären Nonkonformisten feiert, stört das Narrativ erstaunlich wenig.
Man könnte fast meinen: Medien sind dann frei, wenn sie Peter Thiel einen Preis geben.
Wer genauer hinsieht, wird zur „Hassfabrik“.
Wer Palantir‑Verträge, Trump‑Nähe oder die Idee hinterfragt, Demokratie und Freiheit seien nicht wirklich kompatibel, hat offenbar das Drehbuch nicht gelesen.
Also, wenn ich gut verstanden habe,sieht so aus:
Thiel hält eine Rede über fehlende Medienfreiheit – vor einem Publikum, das ihn auszeichnet, in einem Haus, das ihn hofiert, finanziert von einem Vermögen, das unter anderem damit verdient wurde, Staaten besser sehen zu lassen und unliebsame Blätter zum Schweigen zu bringen.
Wenn das die Diagnose ist, dann ist der Arzt selbst ein ziemlich deutliches Symptom.
@welt