MILEI ZERLEGT DIE UNO – UND BERLIN ZAHLT WEITER FÜR DEN APPARAT
Es gibt Reden, nach denen ein Saal nicht mehr derselbe ist. Javier Milei hat am Mittwoch in New York eine solche gehalten. Zum dritten Mal sprach der argentinische Präsident vor der Generalversammlung, und wieder tat er, was in diesem Haus seit Jahrzehnten kaum jemand wagt: Er nannte die Dinge beim Namen. Die Vereinten Nationen seien zu einer nutzlosen Organisation verkommen, deren einziger Zweck darin bestehe, eine Kaste fatal arroganter Parasiten zu ernähren, die sich als wohlmeinende Bürokraten verkleiden. Man hört förmlich, wie in deutschen Redaktionen die Riechsalzfläschchen geöffnet werden. Dabei trifft jeder Satz.
Milei erinnerte zunächst daran, wofür diese Organisation einmal angetreten ist. Vor 78 Jahren erklärte sie, alle Menschen seien frei und gleich an Würde und Rechten geboren. Sie versprach, das Völkerrecht durchzusetzen, die Souveränität der Nationen zu schützen und Konflikte durch Zusammenarbeit statt durch Waffen zu lösen. Dieser Pakt sei gebrochen. Stattdessen habe die UNO Chaos, Gewalt und internationalen Terrorismus gedeihen lassen. Wer will ihm da ernsthaft widersprechen?
Man muss sich die Bilanz nur ansehen. Saudi-Arabien übernahm 2024 den Vorsitz der UN-Frauenrechtskommission. Der Iran, dessen Sittenpolizei Frauen wegen eines verrutschten Kopftuchs misshandelt, durfte 2023 das Sozialforum des Menschenrechtsrats leiten. Beim Palästinenserhilfswerk UNRWA stellten die UN-eigenen Ermittler fest, dass neun Mitarbeiter am Massaker des 7. Oktober beteiligt gewesen sein könnten. Und während Jahr für Jahr eine Resolution nach der anderen gegen Israel durchgewunken wird, herrscht zu den Christenmorden islamistischer Milizen in Afrika betretenes Schweigen. Milei nannte das, was es ist: ein Apparat, der blutrünstige Diktaturen deckt.
Doch der Argentinier ging weiter. Parallel zum Totalversagen bei den Kernaufgaben sei ein bürokratischer Leviathan gewachsen, der den Völkern vorschreibt, wie sie zu leben haben. Agenda 2030, Genderpolitik, Umweltextremismus, unkontrollierte Migration. Ohnmacht gegenüber Diktatoren und Terrorbanden, orwellsche Kontrolle gegenüber freien Demokratien. Eine merkwürdige Mischung aus Anarchie und Tyrannei, sagte Milei. Präziser hat es noch niemand auf den Punkt gebracht. Deutschland kennt diese Mischung aus eigener Anschauung. Den Migrationspakt von Marrakesch unterschrieb die Bundesregierung 2018 gegen den erbitterten Widerstand eines großen Teils der Bevölkerung. Rechtlich unverbindlich, hieß es damals. Politisch ein Freibrief.
Den härtesten Schlag setzte Milei beim Thema Corona. UN-nahe Organisationen hätten sich über Evidenz und nationale Souveränität hinweggesetzt und weltweit Lockdowns vorangetrieben, die Arbeitsplätze vernichtet, die Bildung einer ganzen Kindergeneration ruiniert und Menschen einsam sterben ließen. Er sprach von einem globalen Experiment sozialer Kontrolle, getarnt als Wissenschaft, und griff sogar zum Wort Genozid. Über diese Zuspitzung mag man streiten. Über den Befund nicht. Argentinien litt unter einem der längsten Lockdowns der Welt, verhängt von der peronistischen Vorgängerregierung. Milei zog die Konsequenz und führte sein Land aus der WHO. Hierzulande wartet man bis heute auf eine ehrliche Aufarbeitung von Schulschließungen und Besuchsverboten in Pflegeheimen.
Und dann die künstliche Intelligenz. Während Brüssel mit dem AI Act reguliert, bevor überhaupt etwas entstanden ist, griff Milei auf Adam Smith zurück. Die KI werde die Stecknadelfabrik des 21. Jahrhunderts, sie verlange Klugheit, aber weder Angst noch Gehorsam. Furcht rechtfertige keine Staatskontrolle. Diesen Satz sollte man in jedem Ministerium an die Wand nageln.
Zum Schluss stellte er dem UN-Apparat das eigene Land entgegen. Zu lange habe Argentinien den Verfall verwaltet, die Armut, die Isolation, die Irrelevanz. Das sei vorbei. Kapitalismus, Freihandel, eine Westbindung ohne jede Ambivalenz, an der Seite der USA und Israels. Das Motto lieferte Ludwig von Mises: Gute Menschen denken nicht daran, das Leben ihrer Mitmenschen zu kontrollieren.
Und Berlin? Deutschland gehört zu den größten Beitragszahlern der Vereinten Nationen. Annalena Baerbock saß bis vor Kurzem der Generalversammlung vor. Aus dem Auswärtigen Amt kam in all den Jahren kein ernsthaftes Wort über Diktatoren auf Menschenrechtsposten oder Terrorhelfer auf der Gehaltsliste. Stattdessen wird überwiesen, hofiert, geschwiegen. Es brauchte einen Ökonomen mit Koteletten aus Buenos Aires, um auszusprechen, was jeder deutsche Außenminister längst hätte sagen müssen. Das ist die eigentliche Blamage dieses Mittwochs. Nicht Mileis Ton. Sondern die Feigheit derer, die seit Jahren zahlen und zuschauen.
Viva la libertad, carajo.
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