Ich sehe die Bilder von Ahmad Al Sharaa alias Jolani, dem Interim Präsidenten von Syrien, wie er dem Bundespräsidenten die Hand schüttelt und mit großem Empfang hofiert wird. Und gleichzeitig sehe ich vor meinem inneren Auge die vielen Frauen, die eingesperrt, vergewaltigt wurden, deren Brüder, Väter und Männer getötet wurden.
Ich denke an Eziden, Christen, Drusen, Alawiten und Kurden, die durch die Straßen gejagt, in ihren Häusern verbrannt oder einfach erschossen wurden. Es sind keine abstrakten Geschichten; es sind die Erzählungen von Menschen, die ich in unzähligen Gesprächen persönlich gehört habe.
Wie soll man sich dabei fühlen? Oder darf man überhaupt noch fühlen? Wie weit darf Interessenpolitik gehen? Kann politische Notwendigkeit solche Gräueltaten relativieren?
Und was bedeutet es für uns, wenn wir gleichzeitig von Menschenrechten, Völkerrecht und Demokratie sprechen?
Und wenn ich von den großen politischen Strategen als naiv bezeichnet werde, dann bin ich es gern, denn Menschlichkeit, Erinnerung und Mitgefühl dürfen niemals naiv sein.