Erst war angeblich alles „Lüge“, „Fake News“ und „linksversiffte Propaganda“. Die Vorstellung, bei „Remigration“ könne es irgendwann um mehr gehen als um die Abschiebung ausreisepflichtiger Ausländer, wurde als Erfindung politischer Gegner abgetan. Die AfD betont bis heute offiziell, deutsche Staatsbürger mit Migrationshintergrund seien nicht Teil ihres Remigrationskonzepts.
Und jetzt? Martin Sellner gründet ein „Institute for Remigration“ und legt ausgerechnet für Sachsen-Anhalt ein 45-seitiges Regierungsmodell vor – ausdrücklich vor dem Hintergrund einer möglichen AfD-Regierungsübernahme.
Überraschung: In dem Papier werden ausdrücklich auch deutsche Staatsbürger mit Migrationshintergrund als Zielgruppe der Remigrationspolitik behandelt – insbesondere sogenannte „nichtassimilierte Staatsangehörige“ . Das Dokument bezeichnet deutsche Staatsangehörige mit Migrationshintergrund sogar als einen „zentralen Ansatzpunkt für Remigrationspolitik“.
Besonders interessant wird es bei der AfD Sachsen-Anhalt. Spitzenkandidat Ulrich Siegmund saß bereits beim Potsdamer Treffen 2023 dabei, bei dem Sellner sein weitergehendes Remigrationskonzept einschließlich „nicht assimilierter Staatsbürger“ präsentierte. Und als CORRECTIV die AfD Sachsen-Anhalt und Siegmund 2026 fragte, ob sie Sellners aktuellen „Remigrationscheck“ erhalten hätten, wie sie zu seinem Konzept stünden und wie sie dessen gerichtliche Bewertung einordneten, blieben diese Fragen unbeantwortet.
Und genau deshalb wirkt die jahrelange Empörung über angebliche „Fake News“ heute ziemlich bemerkenswert: Was damals als böswillige Unterstellung zurückgewiesen wurde, wird inzwischen in einem eigenen Institut verschriftlicht, systematisiert und als Regierungsmodell für Sachsen-Anhalt angeboten.