Theo Müller rettet Ulrich Siegmund – zumindest schon mal die Schlagzeilen.
160 Arbeitsplätze stehen auf der Kippe. Ein milliardenschwerer Unternehmer, ein AfD-Politiker und plötzlich die große Rettungsnummer.
Blöd nur: Gerettet wurde bisher gar nichts.
Schauen wir mal auf die Fakten.
2018: Müllers Konzern kündigt Investitionen von insgesamt 200 Millionen Euro für vier Homann-Standorte an. Rogätz ist ausdrücklich dabei.
2019: Laut Lebensmittel Zeitung werden die Investitionspläne zurückgefahren.
6. Oktober 2026: Müller kündigt die Schließung von Rogätz bis September 2027 an. Begründung: mangelnde Rentabilität, sinkende Nachfrage nach Saucen im Glas und erheblicher Investitionsbedarf.
Moment mal. Erst Modernisierungen ankündigen, später die Pläne zurückfahren und dann wegen Investitionsbedarf schließen?
Die Gewerkschaft NGG nennt Rogätz eine frühere „Ertragsperle“ und wirft Müller jahrelang vernachlässigte Modernisierungen vor. Ein Vorwurf, kein bewiesenes Fehlverhalten. Aber was wurde tatsächlich investiert?
Und jetzt wird’s interessant.
Theo Müller bezeichnet
@Alice_Weidel öffentlich als Freundin. Seine Kontakte zur AfD-Spitze sind dokumentiert. Finanzielle Unterstützung bestreitet er.
23. Oktober: Die AfD verkündet,
@UlrichSiegmund wolle das Werk retten. Müller habe einem Gespräch zugestimmt.
Nur soll dieses Gespräch laut AfD erst nach der Regierungsbildung im Dezember stattfinden. Ausgerechnet dann, wenn Siegmund selbst Ministerpräsident werden möchte. Ob er gewählt wird, ist offen.
Konkreter Rettungsplan? Nicht bekannt.
Finanzierung? Nicht bekannt.
Verbindliche Zusage für die Beschäftigten? Fehlanzeige.
Dafür gibt’s schon die Heldengeschichte.
Besonders kurios: Die AfD erkennt Müllers wirtschaftliche Gründe selbst als nachvollziehbar an. Siegmund macht trotzdem hauptsächlich die Energiepolitik verantwortlich, ohne konkrete Zahlen vorzulegen, die das für Rogätz belegen.
Da frage ich mich: Wer rettet hier eigentlich wen?
Müller kündigt die Schließung an, die Gewerkschaft kritisiert seine Investitionspolitik und Siegmund darf schon mal den Retter spielen.
Eine geheime Absprache oder vorgetäuschte Schließung ist nicht belegt. Ebenso wenig wissen wir, ob Müller Siegmund bewusst hilft oder wer den späten Gesprächstermin festgelegt hat.
Aber politisch profitiert Siegmund schon jetzt.
Und meine Frage bleibt: Warum erst nach der Regierungsbildung über 160 Arbeitsplätze sprechen? Warum nicht sofort mit der amtierenden Regierung, Betriebsrat und Gewerkschaft?
Siegmund hat bisher eine Schlagzeile gewonnen. Die Beschäftigten noch keinen geretteten Arbeitsplatz.
Vielleicht sollten wir Politiker endlich daran messen, was sie erreichen. Nicht daran, was sie großspurig ankündigen.
Quellen:
Unternehmensgruppe Theo Müller, 06.10.2026
AfD-Fraktion Sachsen-Anhalt, 23.10.2026
NGG, 09.10.2026
Neue Westfälische / Lebensmittel Zeitung, 2018–2019
Deutschlandfunk, 25.02.2026
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