Heute vor drei Jahren, am 7. Oktober 2023, fand ein Massenmord an Juden statt. Menschen wurden ermordet, weil sie Juden waren. Sie wurden gefoltert, gequält und vergewaltigt. Menschen wurden verbrannt. Kinder und Babys wurden ermordet.
Immer wieder hören wir, es werde immer schwerer, an den Holocaust zu erinnern, weil die Menschen langsam aussterben, die ihn überlebt haben. Das stimmt nicht, denn am 7. Oktober 2023 kam der Holocaust für einige Stunden zurück.
Das Wort „Holocaust“ kommt aus dem Griechischen und bedeutet ursprünglich „vollständig verbrannt“ beziehungsweise „Brandopfer“. Später wurde es zum Begriff für die systematische Verfolgung und Ermordung von Juden.
Der 7. Oktober 2023 war der größte Massenmord an Juden seit dem Holocaust. Es gibt wieder Überlebende. Werden sie jedoch eingeladen, um darüber zu berichten?
Eine Überlebende ist Yuval Raphael. Sie überlebte das Massaker vom 7. Oktober 2023 beim Nova-Festival und trat 2025 für Israel beim Eurovision Song Contest auf. Während ihres Auftritts und danach kam es zu lautstarken Protesten und Buhrufen.
Es gibt Diskussionen um den Ausschluss Israels vom Eurovision Song Contest. Eine junge Frau, die den 7. Oktober überlebt hatte, stand auf einer europäischen Bühne und wurde dort mit massiven Protesten konfrontiert.
Ich wurde 1976 geboren. Die Menschen, die im Holocaust ermordet wurden, kannte ich nicht persönlich. Wenn am 9. November oder am 27. Januar auch in Deutschland gedacht wird, dann wird an einen Massenmord erinnert, der Menschen getroffen hat, die ich nicht persönlich kannte. Es ist wichtig, daran zu erinnern. Es war ein Menschheitsverbrechen, das nie vergessen werden darf.
Am 7. Oktober 2023 wurden Menschen ermordet, die ich kannte, über Freunde oder über Bekannte, die Verwandte verloren haben. Der 7. Oktober 2023 ist für mich deshalb ein Massenmord an Juden, der mich persönlich betrifft. Er betrifft Menschen, die ich kenne. Freunde, mit denen ich ausgehe, mit denen ich feiere, mit denen ich lache, mit denen ich weine. Überlebende dieses Tages sind Menschen, die ich kenne. Menschen, mit denen ich spreche.
Wo sind all die Menschen, die so schnell, so selbstverständlich und so nachdrücklich „Nie wieder!“ sagen, wenn am 9. November oder am 27. Januar gedacht wird, heute am 7. Oktober?
Wo sind all diese Vergangenheitsbewältiger, wenn Juden heute von einem Massaker erzählen, das sie selbst erlebt haben? Wo sind die Gegenwartsbewältiger?
Wo sind sie, wenn Überlebende davon berichten, was ihnen widerfahren ist? Wo waren sie, als eine Überlebende des 7. Oktober auf einer europäischen Bühne stand und ausgebuht wurde? Wo sind sie bei den Protesten, bei denen Israel kritisiert wird und bei denen es teilweise antisemitische Parolen und Vorfälle gibt? Wo sind sie bei den Ausschreitungen, wenn Anschläge auf Synagogen verübt werden, wenn Juden angegriffen und ermordet werden, weil der Antizionismus der neue Antisemitismus ist?
Ich lebe in einem Land, in dem Juden dafür kritisiert werden, dass sie sich gegen Menschen verteidigen, die sie ermorden wollen.
Für viele ist es leichter, Juden als Stolpersteine zu lieben, als Mahnmale, als Namen auf Messing, als Juden, die tot sind. Sie haben ein Problem damit, wenn Juden lebendig sind, wenn sie sich wehren und sich dagegen verteidigen, ermordet zu werden, wenn sie nicht bereit sind, sich in die Rolle der Opfer zu fügen.
Es gibt sie wieder, die Juden, die überlebt haben. Sie sind nicht in der Vergangenheit. Es gibt sie heute, in der Gegenwart. Es sind Juden, die ihre Familien verloren haben. Sie wurden verfolgt, gequält, gefoltert, vergewaltigt, ermordet, verbrannt. Es ist persönlich.
Es gibt Menschen, die diesen Massenmord überlebt haben, und manche von ihnen sind nicht mal 25 Jahre jung.