🔴 Die gekränkte Macht: Warum etablierte Politiker und Journalisten, die Bürger nicht mehr hören wollen
Hinter der Dämonisierung linker Politik steht nicht selten eine tiefgreifende Kränkung etablierter politischer Eliten: die schlichte Tatsache, dass Bürgerinnen und Bürger Rechte haben und gehört werden wollen. Darauf reagieren sie beleidigt.
Die Menschen spüren, dass ihre Bedürfnisse marginalisiert werden. Es sind keine exotischen Wünsche: Wohnen, das man sich leisten kann. Arbeit, die den Lebensabend sichert, statt ihn aufzufressen. Anerkennung für ein Leben, das man hart gearbeitet hat – oft ohne je die Früchte zu sehen. Und vor allem: die Zeit und die Kraft, überhaupt zu leben, statt nur zu funktionieren.
Demokratische Prozesse, die auf diese Bedürfnisse hören, seien ein Hindernis – das ist die stille Botschaft einer CDU und SPD, die ihre Handschellenpolitik als „Reform“ etikettiert: Kürzungen heißen dann „Konsolidierung“, Sanktionen „Aktivierung“, Sozialabbau „Modernisierung“. Wer das benennt, gilt als hysterisch. Diese ganze Haltung ist bereits antidemokratisch und sie ähnelt den Ideen von Tech-Milliardären wie Peter Thiel, der offen bezweifelt, dass Demokratie und Freiheit vereinbar seien. Thiel formulierte bereits 2009 in seinem Aufsatz „The Education of a Libertarian“: „Ich glaube nicht mehr, dass Freiheit und Demokratie vereinbar sind“ – und plädierte dafür, demokratischen Prozessen nicht mehr zu verbessern, sondern ihnen zu entkommen: „escape from politics in all its forms“. Thiel schlägt stattdessen eine regelbasierte technokratische Autokratie vor, in der eine Elite die Zukunft definiert.
Die unterschwellige Botschaft: Demokratie als Hindernis
Wer die Linke dämonisiert und die Anliegen der Bürger als „Hysterie“ abtut, untergräbt jene demokratischen Prozesse, die auf die Bedürfnisse der Bevölkerung hören sollen. Diese Strategie ist nicht harmlos. Eine Parallele zur Klimahysterie-Rhetorik der vergangenen Jahrzehnte besteht: So wie damals wissenschaftliche Warnungen als „Panikmache“ diffamiert wurden, um notwendige Debatten zu blockieren, so werden heute soziale und demokratische Anliegen als „Hysterie“ diskreditiert, um sie mundtot zu machen. Mehr technische Innovation sollte den Klimawandel aufhalten – das hat nicht funktioniert. Ähnlich steht es um das Versprechen, einfach mehr zu bauen: (A) Es wird seit Jahren nicht eingelöst. (B) Wo gebaut wird, können sich nur wenige die Neubauten leisten.
Besonders perfide ist die Instrumentalisierung des Antisemitismusvorwurfs. Der RBB-Journalist Jörg Thadeusz verwendete in den ARD-„Tagesthemen“ die Parole „Wehret den Anfängen“ – eine historische Chiffre für den Widerstand gegen den Nationalsozialismus –, um vor einer Berliner Landesregierung unter Beteiligung der Linken zu warnen. Diese Gleichsetzung der Linken mit den Nazis ist eine Zäsur: Sie pervertiert die Lehren aus Auschwitz und entleert den Antisemitismusbegriff, indem sie ihn als politische Waffe gegen unliebsame Konkurrenz einsetzt.
Doch was steckt dahinter? Die bürgerliche Mitte fürchtet nicht nur die Rückkehr einer Sozialdemokratie, sondern vor allem eine Linke, die soziale Kämpfe organisiert und Teile der migrantischen Bevölkerung erreicht – eine Verbindung, die sie „schon immer für brandgefährlich hielt“. Mit der Hysterie gegen links bereiten sich die saturierten, veränderungsunwilligen Etablierten auf den Schulterschluss mit der AfD vor.