Er wollte nichts essen.
Am Abend zuvor war er plötzlich von einer kleinen Mauer im Garten gefallen.
Untypisch für ihn, den prächtigen, sportlichen Jagdhund.
Nun gut, er war inzwischen 14,5 Jahre alt, nahm
aber rege am Leben teil und raubte auch die ein oder andere Köstlichkeit, die er als professioneller Dieb ergattern konnte.
Mama päppelt ihn schon wieder auf, dachte ich.
Vom Sturz war sein Brustkorb blau angelaufen, ich baute ihm in unserem Bett eine Kissenburg, hielt ihn im Arm und kramte die Vanillewaffeln hervor, die er so liebte.
Und siehe da, er fraß.
Das wird schon wieder, machte ich uns Hoffnung.
Als wir mittags zum Tierarzt fuhren, packten wir Tyler nicht in seine Box, ich saß mit ihm auf der Rückbank, er schien in mich hineinzukriechen, ganz so, als hätte er eine Vorahnung.
Als der Arzt ihn untersucht hat, stellte er Herzschwäche fest und erklärte uns behutsam, dass er in den nächsten beiden Tagen sterben würde.
Er riet uns dazu, sein Leid zu beenden.
Als er dort auf der Liege lag, schien alle Lebenskraft von ihm zu fallen. Er schaute mich an, so schwach, als ob er mich bitten würde, gehen zu dürfen.
Mechanisch stimmte ich zu, nicht mehr in der Lage klar zu denken.
Damit hatte ich nicht gerechnet, Mama wollte ihn doch wieder aufpäppeln.
Ich habe nur noch verschwommen gesehen.
Tyler wurde zunächst betäubt und dann erlöst.
Ich hielt ihn bis zum letzten Atemzug und länger im Arm.
Mein Schluchzen hallte durch die Praxis, es war als würde ich mit ihm sterben.
Der Schmerz war stechend und kaum zu ertragen.
Heute vor drei Jahren ist mein bester Freund gegangen, seine Urne ist in unserem Garten begraben.
Oft schnuppert Bonnie an seinem Grabstein.
Ich werde ihn für immer lieben.