Ich glaube, Du unterschätzt das. Es ist Trotzkismus. Da gibt es Leute, die haben Gramsci und Münzenberg und Trotzki gelesen. Dass es nicht wenige Doofe gibt außerhalb der Kreml-mauern, die wie dumme Kühe getrieben werden, geschenkt, genau so ist es ja auch geplant.
Es gilt jedoch weiterhin über das Kapern:
Man denkt ja immer sowas passiert mit Getöse. Passiert es aber nicht. Das geht leise und über Jahre. Da wird nichts erobert da wird besetzt. Gremien, Arbeitsgruppen, Delegiertenplätze, Projektstellen, irgendwelche Beiräte die keiner auf dem Schirm hat. Und irgendwann merkst du die Organisation heißt zwar noch so wie früher, will aber was ganz anderes.
Schon Trotzki hat seinen Leuten gesagt, geht in die große sozialistische Partei in Frankreich rein. Warum auch ne eigene Truppe gründen die keiner wählt, wenn man in eine große rein kann die schon Mitglieder hat, Geld, Ansehen und Strukturen. Und die übernimmt man dann von innen. Bei der Linken hat das ja wunderbar geklappt. Und die Player die das heute machen die kennt man ja. Interventionistische Linke, marx21, Sozialismus von unten, Sozialistische Alternative, „Für eine rote Stadt“ um Andrej Holm und wie die alle heißen.
Der Workflow ist eigentlich immer gleich. Gute Vorbereitung, Überwältigung, Vereinnahmung und die Dinge schön maskiert darstellen. Vorbereitung ist alles, ne? Du kommst zum Termin und alles ist fertig. Agenda steht, Vorlage steht, wer was sagt ist auch schon gebrieft. Bis du kapiert hast was da läuft ist alles durch. Und dann heißt es basisdemokratisch, partizipativ, beteiligungsorientiert, bottom up. Ist es irgendwie auch, aber irgendwie halt auch nicht. Wenn ein Kernteam alles vorbereitet und steuert dann ist das keine Beteiligung. Dann ist das Theater mit Moderationskarten.
Dazu kommt das Wording. Das kommt alles total fancy und nett rüber, awarenessmäßig cool, safe space, empowerment, community. und wer da widerspricht ist ganz schnell der der nicht mitgekommen ist. Der von gestern, der nicht sensibel genug ist, der halt nicht reflektiert hat. Damit ist die Kritik erledigt ohne dass sich einer damit beschäftigen musste.
Und dann halt die Ausdauer. Sitzung bis in die Nacht, am Wochenende, dann noch ne Runde, dann noch ein Breakout, dann noch ne AG. Wer Familie hat, Schicht hat oder einfach ein Leben der ist irgendwann raus. Und wer übrig bleibt entscheidet. Das ist kein Zufall, das ist das Konzept.