Das muss die Erinnerungspolitische Wende in Deutschland sein, die Björn Höcke in seiner Dresdener Rede am 17.1.2017 verlangt hat:
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Der Stadtrat im sächsischen Heidenau hat durch einen gemeinsamen Antrag von CDU und AfD ein Verbot für neue Stolpersteine beschlossen.
Das Gedenken an NS-Opfer wird damit aus dem Alltag getilgt und auf den Friedhof verbannt.
Diese Entscheidung markiert einen drastischen Einschnitt in die lokale Erinnerungskultur.
Auf unsere direkte Nachfrage bei den beteiligten Fraktionen und Betroffenenverbänden zeichnet sich ein klares Bild ab – wobei die Heidenauer CDU-Fraktion, die diesen Beschluss aktiv mit auf den Weg gebracht hat, zu keinerlei Stellungnahme bereit war.
Die AfD-Fraktion beantwortete unsere Fragen hingegen ausführlich und versucht, den Schritt als Maßnahme für ein "würdevolleres" Gedenken zu deklarieren. Fraktionsvorsitzender Daniel Barthel argumentiert in seiner schriftlichen Stellungnahme, man wolle das Gedenken nicht abschaffen, sondern ihm eine würdigere Form geben. Die Kritik richte sich ausschließlich gegen die Form der Stolpersteine: "Wir sehen es kritisch, die Namen von Menschen, die verfolgt und ermordet wurden, in den Boden eines Gehweges einzulassen. Dadurch wird zwangsläufig über ihre Namen hinweggegangen beziehungsweise auf sie getreten".
Die Fraktion bevorzuge stattdessen eine zentrale Gedenktafel auf dem städtischen Nordfriedhof.
Der Landesverband Sachsen der Jüdischen Gemeinden, der uns ebenfalls auf Nachfrage eine detaillierte Einschätzung zukommen ließ, widerspricht dieser Umdeutung vehement und entlarvt die Argumentation als Vorwand, um die Präsenz der Opfer aus dem öffentlichen Raum zu drängen.
Geschäftsführer Domokos Szabó betont den hohen emotionalen Wert der Stolpersteine. Sie garantierten eine unumgängliche Sichtbarkeit im Alltag, und das Gedenken finde genau dort statt, "wo es hingehört: in der Mitte der Gesellschaft."
Noch deutlicher wird die Vorsitzende des Landesverbandes, Ekaterina Kulakova.
Sie entzieht der von der AfD bemühten Friedhofs-Rhetorik die inhaltliche Grundlage: „Die Menschen nehmen Stolpersteine jeden Tag wahr, zu einem abgesonderten den Opfern gewidmeten Bereich gehen Interessenten zweimal im Jahr zum Gedenken - am 9. November und am 27. Januar. Das dient nicht dem Erinnern, sondern dem Vergessen.“
Zudem warnt der Verband davor, dass bei pauschalen Gedenkorten auf Friedhöfen die Gefahr bestehe, jüdischer Opfer unzulässigerweise "zusammen mit ihren Peinigern" zu gedenken.
Der Fall Heidenau ist ein alarmierendes Beispiel dafür, wie die aktive Auseinandersetzung mit den Verbrechen des Nationalsozialismus aus dem Straßenbild entfernt wird. Wenn die Sichtbarkeit der Opfer im Alltag unter dem Deckmantel einer vermeintlichen "Würde" beendet wird, ist das kein Akt des Respekts. Es ist eine schleichende Form der Schlussstrich-Politik, die exakt das bewirkt, wovor die jüdische Gemeinde warnt: Unsichtbarkeit und letztlich das Vergessen.