15:35: Die 32-jährige Sarah aus Magdeburg arbeitet als Krankenschwester im Krankenhaus, macht heute ihr Kreuz bei der AfD, weil sie „endlich mal ein Zeichen setzen“ will.
Sarah hat offenbar nicht bedacht, was eine Politik der „Remigration“ für ihren eigenen Arbeitsplatz bedeuten könnte. Denn wenn Pflegekräfte mit Migrationsgeschichte fehlen, verschwinden nicht einfach irgendwelche Stellen aus einer Statistik, sie fehlen auf ihrer Station.
Aus 8 Kolleginnen werden 6. Aus 20 Patientinnen werden 25. Pausen fallen aus. Dienste werden kurzfristig verlängert. Überstunden häufen sich. Zwei Kolleg*innen krank? Dann übernimmt Sarah deren Patienten gleich mit.
Mehr Medikamente, mehr Verbandswechsel, mehr Dokumentation, mehr Klingeln, und für jeden Menschen weniger Zeit.
Am Ende macht Sarah die Arbeit von zwei oder drei Pflegekräften. Für dasselbe Gehalt. Mit noch weniger Zeit für die Patient*innen und noch mehr Verantwortung auf ihren Schultern.
Sarah wählt also eine Partei, deren Politik ihren eigenen Arbeitsalltag noch härter machen wird.
Aber Hauptsache, das Kreuz fühlt sich heute wie ein Protest an. 🤷
14:45: Der 30-jährigen Marco aus Wernigerode arbeitet bei einem Autozulieferer, macht heute sein Kreuz bei der AfD, weil er was gegen „die da oben“ hat.
Marco hat offenbar nicht mitbekommen, dass die AfD Deutschland aus der EU führen will. Für die deutsche Autoindustrie wäre das ein wirtschaftlicher Bremsklotz mit Ansage. Zölle, Grenzkontrollen, bürokratische Hürden, gestörte Lieferketten und höhere Produktionskosten. Zulieferer werden Aufträge verlieren, Produktion würde ins Ausland verlagert, und Arbeitsplätze wären massiv gefährdet.
Marco wählt also eine Partei, deren Europapolitik genau die wirtschaftlichen Strukturen schwächen könnte, von denen sein Arbeitsplatz abhängt.
Aber Hauptsache, endlich „denen da oben“ eins auswischen. 🤷