Sehr geehrte Redaktion der FAZ,
lieber Herr Kohler, lieber Herr von Altenbockum,
ich danke Ihnen von ganzem Herzen, dass Sie endlich den wahren Opferstatus anerkennen. Denn das bin ich. Ein junger Staatsminister, der nichts weiter wollte, als ein Stück Heimat – einen Strandkorb, wohlgemerkt selbst bezahlt, Anlieferung selbst bezahlt, Aufbau selbst bezahlt – auf den Balkon seines Büros zu stellen. Und schon bricht der digitale Pöbel über mich herein, als hätte ich den Thron Karls des Großen bestellt und ihn mit Kaviar füttern lassen.
Man sagt ja: „Der Klügere gibt nach.“ Das Sprichwort bedeutet – ich erkläre das einmal in aller Ruhe, weil es offenbar nicht jeder auf Anhieb versteht –, dass derjenige mit dem größeren Überblick und der höheren Verantwortung freiwillig zurücktritt, damit sich die weniger Klugen nicht noch weiter in Rage reden. Deshalb geht der Strandkorb jetzt zurück nach Usedom. Nicht, weil ich eingeknickt wäre. Das wäre ja Schwäche. Sondern weil ich der Klügere bin. Und weil ich die Kritik, wie man das so schön sagt, „sehr ernst“ nehme.
Dass man mir dabei „spätrömische Dekadenz“ vorwirft, obwohl ich den Korb im unwahrscheinlichen Fall einer kurzen Erholung sogar in Richtung Kanzlergarten hätte drehen können, zeigt nur, wie sehr man in manchen Kreisen den Bezug zur ostdeutschen Küste verloren hat. Manchmal läuft sogar ein Fuchs über die Wiese. Das ist Natur. Das ist Bodenständigkeit. Das ist nicht Versailles.
Die Mischung aus Häme, Verachtung und Respektlosigkeit, die Sie so treffend beschrieben haben, trifft mich tief. Ich sitze hier mit Krawatte, mit Verantwortung für Bund-Länder-Beziehungen und mit einem Balkon, von dem aus man bei gutem Wetter fast die Heimat ahnen kann. Und das Internet wirft mit Sand.
Mit vorzüglicher Hochachtung
Philipp Amthor
Staatsminister, der gerade sehr ernst genommen wird