diese art von tweet steht exemplarisch dafür wie kaputt die linke in deutschland ist. mal ganz abgesehen vom herablassenden und empathielosen sound, dem erwartbar unterkomplexen inhalt (nationalstolz ist bäh, wir brauchen mehr gleichheit, etc.) und der einfältigen auswahl der target group des posts (nämlich die eigene bereits konvertierte zielgruppe): wie kann man, insbesondere in dieser zeit, jemanden angreifen, der ganz offensichtlich auf der gleichen seite steht. nämlich mit beiden füssen auf dem boden der demokratie. der ganz offensichtlich aktiv das land besser machen will. den kopf rausstreckt. menschen ein angebot macht. sie sieht. und hört.
vielleicht steht er in der angreifsreihe weiter rechts. nicht ganz links aussen. aber er steht auf der gleichen seite. spielt im eigenen team. genau mit solchen dummen einlassubgen macht sich die linke zum helfershelfer der radikalen. entweder, weil sie zu blöd ist es zu bemerken. oder mit absicht, weil es gut für das eigenen geschäftsmodell der ökonomie der aufmerksamkeit ist.
Jürgen Klopp will sich „die Fahne zurückholen“, spricht von „Nationalstolz“ bzw. „positivem Patriotismus“ und davon, dass „wir“ uns durch Sport wieder besser fühlen und ein Gemeinschaftsgefühl entwickeln sollen. Aber wer ist dieses „Wir“ eigentlich? Der Multimillionär & der Bürgergeldempfänger? Der Konzernchef & die Beschäftigte? FIFA, UEFA, DFB und der Fan, der sich Tickets und Abos kaum noch leisten kann? Eigentümer und Mieter? Genau das ist das Problem an diesem nationalen Gemeinschaftsgefühl: Es tut so, als hätten wir alle dieselben Interessen, nur weil wir dieselbe Fahne schwenken. Haben wir aber nicht. Eine Gesellschaft wird nicht gerechter, weil man sich „die Fahne zurückholt“. Und soziale Gegensätze verschwinden nicht, nur weil man sie für 90 Minuten unter Schwarz-Rot-Gold begräbt.
Vielleicht brauchen wir weniger Nationalstolz und mehr Solidarität und zwar über Klassen, Herkunft und Grenzen hinweg.