Mich bedrücken und beschäftigen die Vorgänge, die in der vergangenen Woche in der Community stattgefunden und die dazu geführt haben, dass die
@dg_mecfs beschlossen hat, den
#Aufklärungswinter zu pausieren.
Zunächst möchte ich betonen, dass ich die (sachlich geäußerte!) Kritik an den Plakaten aus Sicht schwerstbetroffener Menschen nachvollziehen kann. Repräsentation und Außenwirkung sind essenziell, und ich finde es richtig, dass die Verantwortlichen die Kritik angenommen haben – auch, wenn ich die ursprünglichen Überlegungen und Zielsetzungen der Kampagne ebenso valide finde in der Umsetzung.
Was mich jedoch wirklich nachhaltig beschäftigt, ist die Art und Weise, wie diese Diskussion zuweilen geführt wurde: mit Vehemenz, Aggressivität und teils unsolidarischem Verhalten. Viele Kommentare und Beiträge waren destruktiv, verletzend und gingen weit unter die Gürtellinie – beim Lesen musste man oft schlucken. Ich kann mir nur ansatzweise vorstellen, wie belastend das für die Kampagnen-Macher*innen gewesen sein muss.
Für die vielen engagierten Menschen, die an der Kampagne gearbeitet haben, darunter auch Mitbetroffene, muss das wie ein Schlag ins Gesicht gewesen sein. Besonders erschreckend finde ich, dass einige von ihnen nun so frustriert und entmutigt sind, dass sie ihr Engagement für
#MECFS-Awareness infrage stellen. Das ist ein fatales Signal, das uns alle zum Nachdenken bringen sollte. Niemand in unserer Community kann ein solches Ergebnis wollen.
Wir müssen dringend darüber sprechen, wie wir in Zukunft Kritik äußern, denn: Kritik ist wichtig! Aber sie muss aus meiner Sicht konstruktiv, respektvoll und so geäußert sein, dass wir gemeinsam an einer Lösung arbeiten können, anstatt Gräben zu vertiefen oder Lager zu bilden. Auch für unsere Außenwirkung ist das schädlich. Der Diskurs ist dieses Mal an vielen Stellen entglitten. Viele haben das nicht offen angesprochen, weil sie Angst hatten vor der Härte und der Verletztheit in den Reaktionen. Doch eine Community, die Angst vor offenen Worten hat, kann nicht gemeinsam erfolgreich sein.
Ich bin persönlich davon überzeugt, dass niemand jemanden bewusst ausgrenzt bei den betreffenden Organisationen. Das betrifft nicht nur die Schweregrade der Erkrankung, sondern auch die vielfachen Auslöser und deren komplexen Symptome. Hier wurde diesmal ein Schwerpunkt gesetzt, mit dem nicht alle zufrieden sind, vielleicht sogar: nicht sein *können*. Aus diesem Dilemma kann man lernen.
Ich persönlich nehme viel aus der Diskussion mit – gerade die konstruktiven Beiträge haben mich zum Nachdenken gebracht. Sie haben mir auch für meine eigene Arbeit in der Foundation und UniteToFight gezeigt, wie wichtig es ist, bei der Darstellung von ME/CFS auf eine sensible und repräsentative Umsetzung zu achten. Dafür bin ich dankbar.
Mein herzlicher Dank und meine Solidarität gelten jetzt allen, die diese Kampagne mit Herzblut umgesetzt haben, insbesondere den Teams der
@dg_mecfs und
@LiegendDemo sowie Einzelpersonen wie
@EvelynF14598793. Danke für euer unermüdliches Engagement und euren Einsatz für die gemeinsame Sache! Bitte zieht euch jetzt nicht zurück – eure Arbeit ist so wichtig für den Kampf um Anerkennung und Forschung zu ME/CFS! 💙
Lasst uns gemeinsam oder allein im Stillen überlegen, wie wir zukünftig besser miteinander umgehen und unsere Kräfte bündeln können. Denn am Ende kämpfen wir alle für dasselbe Ziel: Aufklärung, Unterstützung und Forschung für Menschen mit ME/CFS.