Ach, Heidi.
Markus Söder stellt Berlins Finanzhilfen infrage, falls die Linke regiert, und du nennst das absurd.
Lass mich dir kurz erklären, was absurd ist.
Absurd ist, dauerhaft Geld auszugeben, das andere erarbeitet haben, und sich dann über Rückfragen zu empören.
Berlin schließt das laufende Jahr mit einem Defizit von 4,6 Milliarden ab. 39,1 Milliarden Einnahmen, 43,7 Milliarden Ausgaben. Der Schuldenstand liegt bei 67 Milliarden und soll bis 2029 auf 84 steigen. Die Präsidentin des Landesrechnungshofs sagt dazu, das nehme Berlin künftig fast jede Gestaltungsmöglichkeit.
Beim Stabilitätsrat hat Berlin vorsorglich schon eine drohende Haushaltsnotlage angemeldet. Allein die Zinsen lagen 2025 bei über einer Milliarde, mehr als die Zuschüsse an sämtliche Berliner Hochschulen zusammen. Im Länderfinanzausgleich war Berlin zuletzt das größte Nehmerland, mit rund 3,8 Milliarden.
Wie schon Otto Waalkes wusste: "Im Buch der Friesen steht geschrieben, nehmen ist seliger als geben."
Wäre doch ein guter neuer Leitspruch für euch, oder?
Absurd ist, Hunderttausende Wohnungen übernehmen zu wollen, ohne einen Cent dafür zu haben.
Die Entschädigung für die geplante Enteignung liegt im zweistelligen Milliardenbereich. Ein Land, das seine Lücke jedes Jahr mit Krediten stopft, hat dafür ungefähr so viel Spielraum wie euer Fraktions-A8 in einer Neuköllner Parklücke.
Kein Geld für die Entschädigung, keine Rücklagen für die Instandhaltung, kein Personal für die Verwaltung. Das ist, als würde jemand mit gepfändetem Konto ein Mehrfamilienhaus kaufen und hinterher feststellen, dass auch das Dach undicht ist.
Schon praktisch, so ein Amt ohne Haftung.
Krise kann auch geil sein.
Absurd ist, die Gästeliste der eigenen Wahlparty nicht im Griff zu haben und trotzdem die Hausverwaltung für halb Berlin zu beantragen.
Am Wahlabend stand der Chef einer der bekanntesten Clanfamilien Berlins auf eurer Party in Neukölln und lobte gegenüber einem Journalisten die Politik der Partei. Erklärung: nicht eingeladen, öffentliche Veranstaltung, jeder hatte Zutritt.
Inzwischen wissen wir mehr. Euer Neuköllner Bundestagsabgeordneter hat mit dem Sohn des Clanchefs gechattet, man sprach sich als Bruder an, es gingen Grüße mit Respekt an den Vater raus, und der Sohn sollte bitte ein Video seiner Bundestagsrede verbreiten. In jener Rede hatte er den Begriff Clankriminalität als politischen Kampfbegriff bezeichnet.
Für eine Familie, die es schon ins Grüne Gewölbe geschafft hat, ist der Weg ins Rote Rathaus vermutlich überschaubar.
Wer an einem Abend mit Türsteher scheitert, sollte nicht 200.000 Mietverhältnisse anfassen.
Aber was weiß ich schon.
Absurd ist, sich zum Bollwerk gegen den Faschismus zu erklären und den Antisemitismus in den eigenen Reihen laufen zu lassen.
2024 haben fünf prominente Abgeordnete eurer Berliner Fraktion die Partei verlassen, weil ihnen eine klare Haltung dazu fehlte. Darunter der frühere Kultursenator Klaus Lederer, der bis heute sagt, dass die Gründe fortbestehen.
In Neukölln hat euer Spitzenkandidat den Bürgermeister der israelischen Partnerstadt Bat Yam öffentlich als Völkermörder bezeichnet und erklärt, er sei in Berlin nicht willkommen. Die Großeltern dieses Mannes haben den Holocaust überlebt.
Euer Ergebnis im Bezirk: 32 Prozent, ein Plus von 17,6 Punkten.
Er kann jetzt Bezirksbürgermeister werden.
Die Deutlichste in dieser Sache war übrigens keine von der CSU, sondern eure eigene frühere Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau: Ihr reiche es langsam, an Naivität könne sie nicht mehr glauben.
Das sind deine Leute, just sayin'.
Heidi, es ist immer dasselbe Muster.
Man nimmt das Geld und empört sich über die Bedingungen. Man kündigt Enteignungen an und lässt offen, wer sie bezahlt. Man beansprucht eine Haltung und überlässt die Aufarbeitung denen, die gehen.
Nicht absurd ist dagegen die Frage, wofür das Geld verwendet wird.
Im Big Lebowski stehen zwei Schläger in der Wohnung und fragen immer wieder dasselbe: Wo ist das verdammte Geld, Lebowski?
Irgendwann steht jemand in eurem Rathaus und stellt dieselbe Frage. Und ihr werdet antworten, dass sie absurd ist.
Der einzige Unterschied zum Film: Ihr habt das Geld tatsächlich bekommen.
Reichinnek kritisiert Söder wegen Kürzungen für Berlin – und spricht von „absurder“ Politik
to.welt.de/pHGHqtF