„Zehn Euro im Quartal. Das ist der Preis eines Döners.“
Sagt der Vorstandschef der Kassenärzte. Nicht als Witz. Als Begründung. Damit hat die Republik ihre Leitwährung gefunden. Der Euro darf bleiben. Gerechnet wird in Döner.
Das ist kein Reformvorschlag. Das ist ein Offenbarungseid mit Knoblauch. Ein Land, das dem Versicherten die Zumutbarkeit der Medizin am Imbiss erklärt, hat die letzte Schwelle hinter sich. Früher maß man den Staat in Steuermark. Dann in Zigaretten. Jetzt in Fladenbrot. Wer das nicht als Endzeit erkennen will, wartet vermutlich noch auf die Amtssprache „mittel, scharf, extra Soße“.
Die Kasse soll das Geld einziehen, die Praxis bitte nicht belästigen. Sehr vornehm. Der Patient zahlt, der Arzt bleibt sauber, das System nennt das Entbürokratisierung. Die alte Praxisgebühr spülte zwei Milliarden. Der GKV-Spitzenverband erinnert höflich daran, das Problem sei nicht zu wenig Einnahme, sondern zu viel Ausgabe. Zu deutsch: Erst das Geld verbrennen, dann am Tresen nach Kleingeld fragen.
Obendrauf Tabaksteuer, Alkoholsteuer, Zuckersteuer. Natürlich. Wer den Döner zur Währung macht, muss den Rest der Speisekarte bestrafen. Gesundheitspolitik als Menüplan: Hier der Döner als Maß, dort Cola als Sünde, dazwischen der gesetzlich Versicherte, der erfahren darf, dass sein Körper neuerdings in Imbisspreisen geführt wird.
Zehn Euro sind nicht die Nachricht. Die Nachricht ist der Umrechnungskurs. Wenn der Döner die neue D-Mark ist, braucht Deutschland keine Apokalypse mehr. Es hat bereits eine Währung. Und die kommt mit Serviette.