𝗣𝗜𝗦𝗔 𝟮𝟬𝟮𝟱: 𝗩𝗲𝗿𝗵𝗲𝗲𝗿𝗲𝗻𝗱 𝘄𝗮̈𝗿𝗲 𝘂𝗻𝘁𝗲𝗿𝘁𝗿𝗶𝗲𝗯𝗲𝗻!
Die soeben erschienene PISA-Studie stellt unserem Bildungssystem ein (wenig überraschend) katastrophales Zeugnis aus und verzeichnet bei 15-jährigen Schülerinnen und Schülern in Deutschland historische Tiefstwerte in den Kernbereichen Mathematik, Lesen und Naturwissenschaften. Zudem haben sich die soziale Ungleichheit beim Bildungserfolg sowie der Anteil Jugendlicher, die grundlegende Mindestanforderungen verfehlen, drastisch erhöht.
Die Ursachen sind vielfältig und sehr viele Faktoren liegen auf der Hand.
Einer davon könnte das Ideologieprojekt Inklusion sein.
Für das Deutsche Schulbarometer der Robert Bosch Stiftung wurden Lehrkräfte allgemein- und berufsbildender Schulen befragt. In der einschlägigen Erhebung stimmten 71 % der Aussage zu: „Ich fühle mich bei der Umsetzung von Inklusion im schulischen Alltag häufig überfordert.“ Bei Grundschullehrkräften waren es 77 %, bei Gymnasiallehrkräften sogar 78 %. Gleichzeitig sagten 77 %, dass an ihrer Schule für eine angemessene inklusive Beschulung multiprofessionelle Fachkräfte wie Sonderpädagogen, Heilerzieher oder Schulsozialarbeiter fehlten. Heterogenität und Unterstützungsbedarf der Schülerschaft treffen auf begrenzte schulische Ressourcen. Die Lehrkräftebefragungen liefern zumindest Evidenz dafür, dass ein großer Teil der Lehrerschaft die gegenwärtigen personellen und organisatorischen Bedingungen für inklusive Beschulung als unzureichend empfindet.
Nun möchte ja die AfD, zuletzt gemäß der Tageschau, „dass Kinder mit Behinderung eigene Schulen bekommen. Sie sollen nicht mit Kindern ohne Behinderung lernen.“
Dass diese irreführend verkürzte Aussage insinuiert, dass die böse, rechtsextreme Schwefelpartei Menschen mit Handicap aus der Gesellschaft ausschließen möchte oder gar noch Schlimmeres mit ihnen vorhat, muss man nicht dazu sagen.
Ebenfalls muss man nicht dazu sagen, dass die Wahrscheinlichkeit, dass eben diese hochbezahlten Leute aus Politik, ÖRR-Redaktionsstuben und deren gutsituierte Wählerschaft, die derartigen Schwachfug behaupten, ihren kostbaren Nachwuchs wohl kaum auf staatliche (Brennpunkt)Schulen mit den allseits bekannten Problemen durch Migration, überlastete Lehrkräfte, Unterrichtsausfall, Kriminalität, Gewalt etc. schicken, als verschwindend gering einzustufen sein dürfte.
Aber weil das ja doch im Grunde herzensgute Regenbogenmenschen sind, die an Vorsprung durch Diversität und Chancengleichheit glauben, müsste an Privatschulen wenigstens der Anteil der Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf ja mindestens genauso hoch, wenn nicht höher sein, wie an staatlichen Schulen.
Äh… Potzblitz: Nein! Für Niedersachsen (andere Bundesländer weisen die Daten m.W. nicht getrennt aus, warum auch immer) ergeben sich rund 38.428 inklusiv beschulte Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf an öffentlichen allgemeinen Schulen und rund 1.008 an allgemeinen Schulen in freier Trägerschaft.
Bezogen auf die jeweilige Schülerschaft entspricht dies ungefähr 4,8 Prozent an öffentlichen gegenüber 2,0 Prozent an privaten Regelschulen. Private Schulen unterrichten etwa 5,8 Prozent der niedersächsischen Regelschüler, aber lediglich rund 2,6 Prozent der inklusiv beschulten Kinder. Möchte man mit entsprechendem Portemonnaie sein Kind also in einer Regelklasse unterrichtet sehen, bietet sich immer noch eine Privatschule an, da sie faktisch günstigere Betreuungsbedingungen hat, da dort wesentlich weniger Kinder einen hohen individuellen Unterstützungsbedarf haben.
Zudem weisen sowohl die vergangenen als auch die aktuellen PISA-Studien einen robusten Privatschulenvorsprung in allen Kompetenzbereichen auf, der selbst bei Bereinigung um den Sozioökonomischen Status noch hoch signifikant bleibt. Was nichts anderes bedeutet, als dass die Zusammensetzung der Schülerschaft in Deutschland stärker denn je darüber entscheidet, welches Leistungsniveau eine Schule und somit der eigene Spross überhaupt erreichen kann.
Ob hinter all dem jetzt die Abwertung des politischen Gegners oder die eigene ideologische Verblendung steckt, die man herrlich durchziehen kann, wenn man selbst oder das eigene Kind nicht davon betroffen ist, oder ob die zunehmende, kollektive Verblödung und weitere Zerstörung Deutschlands das eigentliche Ziel ist, lasse ich hier jetzt mal dahingestellt.
oecd.org/en/publications/pis…