Schönen Sonntag, liebe Börsianer. Rückblickend wirkt es wie ein Zinswunder: Am 21. September 2021 finanzierte ich ein Immobilienprojekt über ein 30-jähriges Darlehen bei der Allianz. Der festgeschriebene Sollzins lag bei gerade einmal 1,09 %. Geld gab es damals praktisch zum Nulltarif. Inzwischen ist der Zins mit voller Wucht zurückgekehrt. Ich habe eine Tabelle mit aktuellen Zinssätzen angehängt. Eine 30-jährige inflationsgeschützte US-Staatsanleihe wurde letzte Woche zu einem Realzins von 2,973 % emittiert. Der Nominalzins kletterte auf rund 5,3 %. Das Bemerkenswerte daran: Die langfristigen Inflationserwartungen bleiben erstaunlich niedrig. Getrieben wird diese Zinswende durch einen harten Wettbewerb um das Kapital der Sparer. Auf der einen Seite investieren US-Tech-Giganten gewaltige Summen in die Infrastruktur der KI-Revolution. Der Zinsanstieg, der hieraus resultiert, ist gesund und produktiv. Er kündigt echtes wirtschaftliches Wachstum an. Auf der anderen Seite treibt die globale Politik eine gefährliche Schuldenspirale voran. Dieser Zinsdruck ist toxisch und birgt erhebliches Verwerfungspotenzial. Lag die US-Staatsverschuldung Anfang 2022 noch bei 30 Billionen US-Dollar, sind es heute bereits 40 Billionen. Allein im laufenden Haushaltsjahr verschlingt der Zinsdienst in Washington 963 Milliarden Dollar. Um diese Schuldenlast tragfähig zu halten, bleibt letztlich nur ein Ausweg: Die Fed wird früher oder später massiv als Käufer von Staatsanleihen einspringen müssen. Sie können das Risiko für Verwerfungen am Aktienmarkt nicht timen, liebe Börsianer, Sie müssen schon heute Ihre Portfolioallokation darauf richtig anpassen. Den besten Schutz gegen die Ausweitung der monetären Basis bieten langfristig Aktienmärkte und Gold. Vor kurzfristigen Verwerfungen am Aktienmarkt schützen kurzfristig vor allem höhere Cashbestände. Wichtige Faustregel: Wer bei einem Marktrücksetzer von 5 % nervös wird, ist schlicht zu hoch investiert. Ich passe meine Allokation derzeit konsequent an und gewichte kapitalschonende Asset-Light-Geschäftsmodelle höher. In diesem Kontext erwäge ich auch, meine Oracle-Position mit einem Restgewinn von 49 % zu schließen. Nach einem Buchgewinn von zeitweise +277 % im letzten Jahr wäre das sehr schmerzhaft, doch ich muss erkennen, dass Oracle substanziell höhere Zinsaufschläge schultern muss als kapitalstarke Schwergewichte wie Amazon oder Alphabet. Siehe Tabelle.

Last edited Aug 23, 2026 · 10:06 AM UTC

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Dies ist mein (fast) täglicher Börsengruß. Ich freue mich über ein Like, wenn Sie meine Zeilen gerne lesen, liebe Börsianer!
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Replying to @SBetschinger
Hi Simon, Oracle ist durch das BBB Rating bilanziell natürlich schwächer aufgestellt als eine Apple. Bei der Tabelle vergleicht man allerdings Äpfel mit Birnen bezüglich der Laufzeit (Duration). Die Oracle-Anleihe in der Liste läuft bis 2064 also noch fast 40 Jahre. Die Apple im Beispiel bis 2035. In den 8,08 % steckt daher neben dem Bonitätsaufschlag vor allem eine Laufzeitprämie. Macht man den direkten Vergleich über die identische Laufzeit, sieht das Bild völlig anders aus (siehe Screenshot): Eine Oracle Anleihe bis 2035 (WKN A4D6MV) rentiert bei ca. 6,96%. Der tatsächliche Zinsaufschlag (Credit Spread) gegenüber Apple (4,97 %) liegt also nicht bei über 3 Prozentpunkten, aber immer noch bei rund 2 Prozentpunkten. Würde das was an deiner Einschätzung ändern?
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Das weiß ich doch. Trotzdem danke!
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Ehrliche & wichtige Frage: Bieten Dividenden -ETS's wie der von Vanguard (High Dividend) und der VanEck Morningstar auch "Schutz" ? Danke vorab für die Antwort,Simon.
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habe in 2021 sogar 0,5% für 10j bekommen
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Wenn mir plötzlich 5 Mio fehlen, dann werde ich sehr nervös
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Ibond 34 mit 4% ist auch nicht so verkehrt und vermutlich am sichersten? Dazu kein Währungsrisiko enthalten
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Sieht jemand den Post?
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Der Oracle-Amazon-Vergleich hinkt: 17 Jahre Laufzeitunterschied. Apple selbst zeigt in derselben Tabelle 95bp Aufschlag für 10 Jahre mehr. Der echte Befund steht daneben: McDonald’s 6,24 % vs. Meta 7,00 %, gleiches Laufzeitende 2052. Planbarkeit schlägt Profitabilität.
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Der US Staat pumpt also jährlich 963 Milliarden via Zinsen an die Kreditgeber, die damit etwas Sinnvolles anfangen können. Sobald die US-Verschuldung nicht mehr wächst (der US-Staat als Nachfrager also zunehmend ausfällt), stehen diese Zinszahlungen für Investitionen zur Verfügung... in der Privatwirtschaft.
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Was denkst du über Unternehmensanleihen aus den USA? Sowas zum Beispiel: IE0032895942
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Gute Analyse!
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