Seit Januar dürfen Elektroautos in Deutschland Strom ins Netz zurückspeisen, ohne dass dafür zweimal Netzentgelte fällig werden. Die Autoindustrie hat nach eigenen Angaben Milliarden in diese Technik gesteckt, über zwanzig hier verfügbare Modelle sind laut Verband der Automobilindustrie vorbereitet, im Oktober will die Bundesnetzagentur die letzten Regeln scharf schalten.
Jetzt warnt derselbe Verband, ein Gesetzentwurf aus dem Wirtschaftsministerium blockiere genau dieses Rückspeisen wieder.
Zwischen Erlaubnis und Deckel liegen neun Monate.
**Falls du gerade keine Zeit für den ganzen Post hast, ganz unten steht die Entwicklung in einem Absatz zusammengefasst.**
Der Entwurf hat am 29. Juli das Kabinett passiert und liegt seit dem 14. August dem Bundesrat vor. Neue Solaranlagen auf Gebäuden unter 100 Kilowatt sollen dauerhaft nur noch die Hälfte ihrer Leistung einspeisen dürfen. Die feste Vergütung für Neuanlagen entfällt ab 2027 ohnehin.
Brenzlig wird es an der Stelle, an der gemessen wird. Die Grenze soll am Hausanschluss gelten, dort läuft alles zusammen, was aus dem Gebäude ins Netz geht. Der VDA warnt, damit werde auch das gezielte Entladen einer Autobatterie in Stunden hoher Preise mitgedrosselt. Dieselbe Kritik kommt vom Branchenverband BDEW und von Netzbetreibern wie Eon und Netze BW.
Was dabei liegen bleibt, hat das Fraunhofer-Institut für Energiewirtschaft im Juli beziffert. Zwanzig Gigawatt zusätzliche kurzfristige Flexibilität hätten zwischen Januar 2025 und Ende Mai 2026 rund 5,6 Milliarden Euro gespart, gut 3,9 Milliarden pro Jahr. Allein in deutschen Kellern zählt die RWTH Aachen rund 20 Gigawattstunden Heimspeicher, die kaum genutzt werden.
Parallel bereitet dieselbe Regierung Ausschreibungen für 20 Gigawatt neue Gaskraftwerke vor, deren Kosten am Ende über die Netzentgelte bei allen Stromkunden landen.
Begründet wird das Bremsen damit, dass das Netz mit dem Zubau nicht mitkomme. Das Engpassmanagement kostete 2025 rund 3,1 Milliarden Euro, davon 1,18 Milliarden für hochgefahrene konventionelle Kraftwerke und 433 Millionen als Entschädigung für abgeregelte Wind- und Solaranlagen. Über 96% des erneuerbaren Stroms kamen im Netz an.
Weltweit ist steuerbare Leistung gerade zum Engpassgut geworden, weil Rechenzentren und Elektrifizierung die Nachfrage schneller anheben, als Netze wachsen. Deutschland hat diese Kapazität längst privat finanziert in Kellern und Einfahrten stehen.
Neun Monate lang lautete die Regel, dass sich Flexibilität lohnen soll. Ab September entscheidet der Bundestag, ob die Hälfte davon am Zähler hängen bleibt.
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Die kurze Fassung:
Seit Anfang 2026 ist das Zurückspeisen von Strom aus Elektroautos möglich, im Oktober sollten die letzten Regeln greifen. Der EEG-Entwurf im Bundesrat deckelt die Einspeisung neuer Gebäudesolaranlagen dauerhaft auf 50% am Hausanschluss. Autoindustrie, BDEW und Netzbetreiber warnen, dass damit auch das marktdienliche Entladen von Autobatterien blockiert wird. Fraunhofer beziffert die fehlende Flexibilität auf rund 3,9 Milliarden Euro im Jahr, während dieselbe Regierung 20 Gigawatt neue Gaskraftwerke ausschreibt, die alle Stromkunden mitfinanzieren.