Ein Leben gegen das Vergessen.
In den letzten Jahren hatte ich immer wieder die große Ehre, Margot Friedländer zu treffen. Und was für mich immer wieder aufs Neue faszinierend war: dass ein Mensch in ein Land zurück kehrte, in dem sie und ihre Familie so unvorstellbares Leid erfahren. Dass verzieh, ohne zu vergessen. Und dass sie jedem Menschen, den sie hier traf, mit so viel Liebe und Wärme begegnete.
Und gleichzeitig blieb nach den Treffen mit Margot oft ein Gefühl der Beklommenheit. Weil ich mich fragte, ob wir, die Generationen die das Geschenk bekommen hatten, in Freiheit und Demokratie aufzuwachsen, eigentlich genug tun, um Margots immer währende Botschaft „Seid Menschen.“, die so einfach klingt, aber so viel mehr bedeutet, wirklich mit Leben zu füllen. Und weil da zunehmend Zweifel waren, in Anbetracht von Rechtsextremen in Parlamenten und der zunehmenden Entmenschlichung so vieler Menschen. Ob es reicht, ob es uns gelingen wird.
Aber Margot hat mir und vielen anderen auch gezeigt, dass man die Menschenwürde nicht mit Angst und Verzagtheit schützt. Sondern mit Mut, mit Liebe und mit Hoffnung. Und deshalb muss der Zweifel ein Auftrag werden, es immer wieder zu versuchen.
Liebe Margot, danke für alles, was du in den letzten Jahren, Tag für Tag, immer wieder bis zu deinem Tod, gegeben hast. Ich werde alles dafür tun, dass wir deinem Leben und deiner Botschaft gerecht werden.
Ruhe in Frieden 🖤