Der Friedensnobelpreis geht in diesem Jahr an die sรผdafrikanische Juristin Navi Pillay, wie das Nobelkomitee am 9. Oktober 2026 bekanntgab. Ich finde das eine gute Wahl, denn Pillay ist mutig. Sie hat Israels Vorgehen in Gaza als Genozid eingestuft, was sich nicht viele getrauen.
Eine von Pillay geleitete Uno-Untersuchungskommission kam im September 2025 zu dem Schluss, dass Israel in Gaza einen Vรถlkermord begehe. Pillay leitete die Absicht, die palรคstinensische Bevรถlkerung in Gaza zumindest teilweise zu zerstรถren, aus dem Ausmaร der Tรถtungen und Zerstรถrungen ab sowie dem Einsatz von Hunger als Kriegswaffe und entmenschlichenden รuรerungen fรผhrender israelischer Politiker. ยปIch weiร, was das Wort โบVรถlkermordโน bedeutet, und ich verwende es nicht leichtfertigยซ, schrieb Pillay am 16. September 2025 in der New York Times.
Der deutsche Vรถlkerrechtler Wolfgang Kaleck sagt: ยปPillay benennt das Vorgehen der israelischen Armee in Gaza klar und deutlich als Vรถlkermord โ ein weiterer Beleg dafรผr, dass die internationale Gemeinschaft Kritik an der Regierung Netanyahu nicht wie Teile der deutschen รffentlichkeit als antisemitisch, sondern als berechtigt anerkenntยซ.
Die 85-Jรคhrige Pillay war von 2003 bis 2008 Richterin am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag (ICC). Der Internationale Strafgerichtshof verfolgt Einzelpersonen strafrechtlich, wรคhrend der Internationalen Gerichtshof (ICJ) รผber Streitigkeiten zwischen Staaten urteilt.
Pillay wurde in Durban in Sรผdafrika als Tochter indisch-tamilischer Eltern geboren und wurde in ihrer Heimat Anwรคltin. Sie verteidigte Anti-Apartheid-Kรคmpfer, die sich gegen die brutale Rassentrennung des Regimes stellten und setzte sich fรผr die Rechte politischer Gefangener ein, darunter Nelson Mandela.