Die alte PDS ist in einem Maße entkernt worden, das man sich vor zehn Jahren kaum hätte vorstellen können. Verloren gegangen ist dabei nicht nur Personal, sondern ein Selbstverständnis. Nach zwei Diktaturen auf deutschem Boden galten parlamentarische Regeln dort nicht als lästiges Verfahren, sondern als Wert an sich. Genau dieses Selbstverständnis war der innere Schutz gegen die Strömungen, die jetzt über den Entrismus in die Partei gekommen sind. Und dieser Schutz fehlt heute.
Wer alt genug ist, wird wissen, wie so etwas verläuft. Ab einem bestimmten Punkt ist Radikalität keine Frage von Mehrheiten mehr. Sie setzt sich nicht durch, weil sie überzeugt, sondern weil ihre Gegner ermüden. Sie haben keine Kraft mehr für die zehnte Grundsatzdebatte im Bezirksverband. Sie bleiben den Sitzungen fern. Irgendwann gehen sie ganz. Dann erben die Lautesten die Strukturen der Erschöpften.
Das hat ganz praktische Folgen. Wie genau sollen
@SteffenKrach oder
@martinmatz im parlamentarischen Alltag Vertrauen in die Linksfraktion haben? Gemeint sind Ausschüsse, Haushaltsberatungen und jede Absprache, die auf Verlässlichkeit beruht. Und das bei einer Partei, deren Basis sich so entwickelt.
Ganz abgesehen von dem zivilisatorisch widerwärtigen Gerede im unten stehenden Video, das viel zu viele teilen. Dort wird die Zerstörung Israels mit dem Kampf gegen Judenhass „dialektisch“ verrührt. Am Ende erscheint die Beseitigung des jüdischen Staates als Voraussetzung dafür, dass Antisemitismus verschwindet. Das ist keine Israelkritik. Das ist die Umkehrung von Ursache und Wirkung, und sie ist so alt wie der Antisemitismus selbst.
Ich habe VOR der Wahl geschrieben, dass genau das kommen würde und dass es die linken Fachpolitikerinnen und Fachpolitiker erledigen wird. Das tut mir ehrlich leid. Gerade in der Wissenschaftspolitik gibt es in der Linken einige wirklich gute Leute, die sachkundig, verlässlich und kollegial arbeiten. Aber sie bestimmen die Partei nicht. Sie sind das Aushängeschild, nicht der Kurs.
Und wir haben doch gesehen, wie Gregor Gysi das Problem kleingeredet hat, im Interview wie im Bundestag. Er ging sogar zum Gegenangriff über, gegen diejenigen, die es benennen. Erinnern wir uns: Das ist derselbe
@GregorGysi, der Sahra Wagenknecht viel zu lange in der Partei gehalten hat. Damit hat er dazu beigetragen, dass das BSW mit den Ressourcen, dem Personal und der Bekanntheit der Linken großgefüttert wurde. Dieses BSW wird heute der AfD an die Macht helfen.
Das Muster ist dasselbe: beschwichtigen, relativieren, die Einheit der Partei über die Klarheit in der Sache stellen. Das mag kurzfristig Ruhe bringen. Auf Dauer ist dieser Relativismus aber nicht nur wenig zielführend, er ist gefährlich. Er gefährdet die Glaubwürdigkeit der Linken als Partnerin im Parlament. Und er gefährdet alle in dieser Stadt, die sich darauf verlassen können müssen, dass eine demokratische Partei eine klare Grenze zum Antisemitismus zieht.
Thies Kehmeier (Niedersachsen) hat natürlich die Neuköllner Linken unterstützt & legt nach.
Marx21, Sozialismus von unten, Klasse gegen Klasse — die Linke hat ein massives Problem mit trotzkistischen Kadern, die offen staatsfeindlich auftreten & gezielt Strukturen unterwandern.