Dieser Tage kursieren Bilder aus Aserbaidschan von Mädchen, denen wegen des Kopftuchs der Zutritt zur Schule verwehrt wird. Als jemand, die selbst als Kind vom Kopftuchzwang betroffen war und ab dem siebten Lebensjahr in der Öffentlichkeit, auch in der Schule, ein Kopftuch tragen MUSSTE, möchte ich dazu Stellung nehmen.
Ehrlich gesagt macht es mich traurig, weinende Mädchen zu sehen, die nicht in die Schule dürfen. Und doch unterstütze ich diese Maßnahme voll und ganz, denn sie kann diese Mädchen letztlich aus verborgener häuslicher Gewalt befreien. In den Videos sieht man schutzlose Mädchen mit Eltern, die in dieser belastenden Situation, statt auf ihre Kinder einzugehen, vor deren Augen ihre Aggression ausleben, weil die Mädchen das Kopftuch letztendlich ablegen müssen. Manche der Kinder sind so klein, dass man an ihrem fassungslosen Blick erkennt: Sie verstehen überhaupt nicht, was gerade geschieht.
Mir ist kein Fall bekannt, in dem ein Mädchen getötet oder Opfer häuslicher Gewalt wurde, nur weil es ein Kopftuch tragen wollte. Dagegen gibt es viele Mädchen, die in streng religiösen Familien aufwachsen und von klein auf in dieser Ideologie erzogen werden. Wollen sie später, aus welchem Grund auch immer, kein Kopftuch mehr tragen, erleben sie in manchen dieser Familien Gewalt durch v. a. männliche, mitunter aber auch durch weibliche Familienmitglieder, ähnlich wie in den Videos, nur in weitaus größerem Ausmaß. Sie erleben Gewalt im Verborgenen, abseits des gesellschaftlichen Blicks, an einem Ort, den weder Kameras noch allein das Gesetz erreichen, und in dem sie ihren Peinigern ausgeliefert sind: in ihrem eigenen Zuhause, dort, wo sie eigentlich Schutz finden sollten.
Es gibt weltweit zahlreiche dokumentierte Fälle von Mädchen und Frauen, die ermordet wurden, weil sie sich dieser Ideologie verweigert haben.
Schließlich möchte ich auf die Idee hinter dem Kopftuch eingehen: Es soll die Schönheit der “Frau” vor den Männern verbergen, damit diese nicht in „Sünde“ verfallen, gewissermaßen als Vorbeugung gegen sexuelle Anziehung. Dass ein Mädchen nach islamischem Recht ab dem neunten Lebensjahr seine „weiblichen“ Reize vor Männern verbergen muss, sollte jeden zum Nachdenken bringen. Das ist ein klares Beispiel für die Sexualisierung von Kindern. Ein kleines Mädchen ist kein „Sexobjekt“, das verhüllt werden muss. Wer Pädophilie ablehnt, muss auch dem entgegentreten und darf die Freiheit von Kindern nicht durch eine im Patriarchat wurzelnde Ideologie einschränken.
Religion sollte in jeder Form erst dann gewählt werden, wenn ein Mensch die nötige geistige Reife erreicht hat, und nicht schon in der Kindheit aufgezwungen oder durch Indoktrination eingeimpft werden.