Via FB:
Sorry, aber was ist eigentlich mit Friedrich Merz los?
Den Auftritt mit der Kinderärztin Bea Merscher fand ich schon bemerkenswert genug.
Eine Bürgerin kritisiert die Politik des Bundeskanzlers scharf, wirft ihm angesichts der Folgen seiner Gesundheitspolitik sogar vor, seinen Amtseid zu brechen.
Kann man für überzogen halten, widersprechen, argumentativ zerlegen, dafür saß der Bundeskanzler schließlich dort.
Aber offenbar war die Geschichte nach Ende der Sendung noch gar nicht vorbei.
Nach Darstellung von Bea Merscher soll Friedrich Merz ihr anschließend erklärt haben, ihre Aussagen seien „straffällig“ gewesen.
Nicht falsch, unfair, maßlos oder unsachlich.
STRAFFÄLLIG!?
Als sie ihm trotzdem ein weiteres Gespräch anbot, habe er sie ausgelacht.
Und als sie darauf hinwies, dass sie ohnehin bald wegen einer von ihr angemeldeten Demonstration in Berlin sei?
„Ganz sicher nicht!“
Der zweite Teilnehmer der Runde, Oliver Bernt, bestätigt laut t-online ihre Schilderung. Das Kanzleramt ließ eine Anfrage dazu zunächst unbeantwortet.
Entschuldigung, aber wer hält dieser Mann inzwischen eigentlich von sich?
Wir reden hier nicht von Friedrich dem Großen.
Wir reden von Friedrich Merz.
Einem gewählten Bundeskanzler in einer parlamentarischen Demokratie.
Einem Mann, dessen Amt exakt daraus entsteht, dass Bürgerinnen und Bürger Politikern zeitlich begrenzt politische Macht übertragen.
Nicht umgekehrt.
Und ausgerechnet ein studierter Jurist, ehemaliger Richter und Bundeskanzler sollte wissen, dass scharfe, polemische und auch überspitzte Kritik an politischen Amtsträgern zu einer Demokratie gehört.
Das Bundesverfassungsgericht sagt das seit Jahrzehnten ziemlich deutlich.
Aber bei Friedrich Merz entsteht zunehmend ein merkwürdiger Eindruck:
Kritisiert er Bürger, Arbeitslose, Beschäftigte, Familien oder ganze gesellschaftliche Gruppen, nennt man das politische Debatte.
Kritisieren Bürger Friedrich Merz, ist es plötzlich persönliche Herabsetzung.
Und offenbar möglicherweise sogar „straffällig“.
Was kommt als Nächstes?
Eine Audienzordnung fürs Kanzleramt?
„Kritik am Bundeskanzler bitte nur dienstags zwischen 14 und 15 Uhr, nach vorheriger Genehmigung und unter Vermeidung verletzter Gefühle“?
Politische Größe zeigt sich nicht darin, wie selbstbewusst jemand nach unten tritt.
Sie zeigt sich darin, wie jemand mit Widerspruch umgeht.
Und wenn die Schilderungen dieses Nachspiels stimmen, dann hat Friedrich Merz dabei gerade erschreckend wenig Größe gezeigt.
Nicht die Kritik einer Kinderärztin beschädigt das Amt des Bundeskanzlers.
Ein Bundeskanzler beschädigt sein Amt selbst, wenn er den Eindruck erweckt, Bürger hätten gefälligst Respekt vor seiner Person zu zeigen, während er ihren Widerspruch nicht einmal auszuhalten vermag.
Herr Merz:
Sie sind Bundeskanzler.
Nicht Bundeskaiser.
t-online.de/nachrichten/pano…