"ICH FINDE DAS NICHT FAIR VON DIR": HEIDI REICHINNEK SCHEITERT AN EINER EINZIGEN FRAGE
Es gibt Momente, die mehr über eine Politikerin verraten als hundert Parteitagsreden. Heidi Reichinnek hat so einen Moment geliefert. Nicht im Bundestag, nicht in einer Talkshow, sondern auf einem sogenannten Demokratiefestival in Magdeburg, am 5. September, einen Tag vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt. Ein junger Mann mit Mikrofon, Valentin Wilczek, bekannt als TikTok-Nachrichtenmacher, auch für ZDFheute unterwegs, stellt der Fraktionschefin der Linken ein paar Fragen zur Energiepolitik. Einfach Fragen. Und die Ikone der Generation Instagram bricht zusammen.
Zuerst läuft alles nach Drehbuch. Hätte man die Atomkraftwerke nicht lieber weiterlaufen lassen sollen, statt Kohle zu verfeuern? "Nein, nein, nein", schießt es aus Reichinnek heraus. Sie sei da "super stringent". Atomkraft sei "die gefährlichste, die wir haben". Die Abschaltung sei "absolut richtig" gewesen. Laut, sicher, moralisch aufgeladen. Fakten stören nur.
Dann aber kommt die Frage, an der jede ernsthafte Energiepolitik steht oder fällt. Wie speichert man eigentlich den Strom aus Wind und Sonne, wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint? Wie geht die Linke das Thema an? Es gebe ja verschiedene Ansätze. Eine Frage, die jeder Physiklehrer in der zehnten Klasse stellen würde.
Und was macht Reichinnek? Sie antwortet nicht. Sie beschwert sich. "Ich finde das nicht fair von dir gerade." Nicht fair? Eine Sachfrage zum Kernproblem der Energiewende ist nicht fair? Dann folgt der Satz, der eigentlich in jedes Lehrbuch über politische Feigheit gehört: "Ich würde das echt nicht gut finden, wenn du das jetzt reinschneidest." Die Frau, die sich als Stimme der Transparenz inszeniert, die Konzernen und Regierung ständig Vertuschung vorwirft, bittet einen Journalisten darum, ihr eigenes Versagen aus dem Video zu schneiden.
Zum Schluss noch ein kleinlautes "Sorry, ich wollte nur über Klimapolitik reden". Als ob Energiespeicherung kein Teil der Klimapolitik wäre. Als ob man die Welt retten könnte, ohne zu wissen, wie der Strom um drei Uhr nachts im Januar in die Leitung kommt. Dann greift der Pressesprecher ein und fordert, das Video zu beenden. Ende der Vorstellung. Der Hofstaat schützt die Königin.
Besonders bitter für die Linke: Wilczek hat dieselbe Frage auch Felix Banaszak von den Grünen gestellt. Und ausgerechnet der Grünen-Chef, nicht gerade als energiepolitisches Genie verdächtig, hat einfach geantwortet. Er nannte das bidirektionale Laden, bei dem Elektroautos als Speicher dienen. Aber sie ist eine Antwort. Reichinnek hatte nicht einmal das. Sie hatte nur Empörung.
Wilczek hat das Video trotzdem veröffentlicht. Gut so. Denn genau dafür gibt es Journalismus. Nicht, um Politikern schöne Clips für ihre Kanäle zu basteln, sondern um zu zeigen, was sie wissen und was nicht. Dass ein 23-Jähriger mit Handy mehr journalistisches Rückgrat beweist als so mancher gut bezahlte Moderator im öffentlich-rechtlichen Abendprogramm, spricht Bände.
Denn eines ist klar. Reichinnek ist ein Produkt der sozialen Medien. Ihr Aufstieg lebt von kurzen, wütenden Clips, von Parolen gegen Reiche, gegen Vermieter, gegen die AfD. Solange sie senden darf, ist sie unschlagbar. Sobald jemand zurückfragt, wird es dünn. Sehr dünn. Die Speicherfrage ist keine Randnotiz. Sie ist der Kern. Deutschland hat im April 2023 die letzten drei Kernkraftwerke vom Netz genommen, mitten in einer Energiekrise. Seitdem zahlen Bürger und Betriebe mit die höchsten Strompreise Europas, und bei Dunkelflaute laufen Kohle- und Gaskraftwerke oder es wird Strom importiert, nicht selten aus französischen Atomkraftwerken. Wer den Ausstieg "absolut richtig" nennt, muss erklären können, wie es ohne Atom, ohne Kohle und ohne Speicher gehen soll. Reichinnek kann es nicht. Oder sie will es nicht sagen, weil die ehrliche Antwort unbequem wäre.
Und hier liegt das eigentliche Problem. Die Linke will Enteignung, Mietendeckel, Milliardenprogramme, und dazu eine Energiewende, deren Rechnung sie nicht einmal ansatzweise durchdacht hat. Sie verspricht billigen Strom und bekämpft gleichzeitig jede Technologie, die billigen Strom liefern könnte. Wer so Politik macht, braucht keine kritischen Fragen. Er braucht Pressesprecher, die Kameras ausschalten.
"Nicht fair" ist übrigens das Lieblingswort derer, die gewohnt sind, nur mit Applaus konfrontiert zu werden. Fair wäre es gewesen, auf eine berechtigte Frage eine ehrliche Antwort zu geben. Und sei es nur: Ich weiß es nicht. Das hätte Respekt verdient. Stattdessen Weinerlichkeit, Schnittwünsche und der Abbruch. Die Bürger, die ihre Stromrechnung bezahlen müssen, haben ein Recht darauf zu wissen, dass die lauteste Stimme der Linken auf die wichtigste Frage der Energiepolitik nur eine Antwort hat: Bitte nicht senden.
apollo-news.net/ich-finde-da…