Auf die Zusatzinformationen unten von
@fpiatov möchte ich gerne ergänzend verweisen. Darüber hinaus: Was reitet gebildete Menschen, solche Äußerungen ernst zu nehmen?
Dass die Partei selbst sich mit dem fadenscheinigen Argument verteidigt, sie übe doch bloß „Kritik an Israel“ (wie Herr Benz zu Unrecht umschreibt: an einer „Besatzungsmacht“), gehört seit Jahrzehnten zum Repertoire kommunistischer, allgemein linker oder „palästinensisch“ orientierter Antisemiten. Nur nebenbei: Es ändert sich nichts dadurch, dass man 150 bekannte oder weniger bekannte antiisraelische Aktivisten mit jüdischen Verwandten auftreiben kann, die wieder einmal einen offenen Brief schreiben. Auch dieser Trick ist mittlerweile der älteste im Drehbuch.
Und ausgerechnet Deborah Feldman nach vorne zu schicken, ist ebenfalls erstaunlich. Nach halachischem Recht ist sie mit Sicherheit Jüdin.
Aber was bedeutet das, wenn sie nicht nur für ihren Israelhass landesweit bekannt ist, sondern vor allem einer winzig kleinen Sekte entstammt, die vor allem in Williamsburg, N.Y., vorkommt und für ihre fanatische Ablehnung des Staates Israel und ihre archaische, vom Rest der Welt völlig isolierte Lebensweise bekannt ist (das ist ja in der einschlägigen Verfilmung übrigens reichlich dargestellt)?
Es gibt schließlich nicht nur eine jüdische Mehrheitsgesellschaft in Berlin, die konkret von Übergriffen betroffen ist. Deren Vertreter abzuhandeln (beispielsweise den Zentralrat der Juden) müsste doch bei ein paar Leuten eine kurze Reflexion auslösen – aber offenbar ist das nicht der Fall. Man bleibt lieber bei den handverlesenen Minderheiten.
Weil alle immer so besorgt um das Thema „Rassismus“ schreien, dass sie jetzt sogar behaupten, die Kritik an Antisemitismus sei rassistisch, wenn der Antisemit irgendwie kein Deutscher sei:
Wie fänden Herr Benz und seine Kumpane es denn, wenn wir sagten: Nein, Kritik an Migration ist nie rassistisch, denn wir haben jemanden gefunden, der einen türkischen Hintergrund hat und die Migrationspolitik auch doof findet?
Nicht nur, dass sie vermutlich so jemanden in der AfD finden.
Sondern auch: Finden Sie das nicht einigermaßen bescheuert? Es gibt massenhaft rassistische Anwürfe gegen Migranten und gleichzeitig zutreffende Kritik an der Migrationspolitik. Beide Dinge können wahr sein. Aber Übergriffe auf Juden dürfen nie antisemitisch sein, wenn sie von links kommen? Krass.
Wer Kontakte und vermeintliche „Solidarität“ mit Unterstützern des Terrors gegen Israelis pflegt, sorgt selbstverständlich dafür, dass Juden auf der Straße zusammengeschlagen werden. Und zwar in Berlin. Und es entschuldigt diese Art des Hasses nicht und spricht sie auch nicht vom Vorwurf des Antisemitismus frei, wenn man so tut, als hätte man das nicht beabsichtigt.
Von den unmittelbaren Akteuren abgesehen nimmt es die Parteiführung eben nun einmal in Kauf, weil es Stimmen bringt. Und das nennt man strukturellen Antisemitismus, denn er gehört dann zum politischen System und Willen einer Partei.
Darüber darf man schon mal nachdenken.